Kapitel Eins
Auf den ersten Blick (First Sight)

„Bella“, meinte meine Mutter, kurz bevor ich durch die Sicherheitsschleusen des Flughafens ging, „du musst nicht, wenn du nicht willst“.

Ich schüttelte leicht lächelnd den Kopf, in den letzten Wochen hatte ich diese Worte schon so oft zu ihr gesagt: „Ich will aber“.
Und mittlerweile war ich eine so gute Lügnerin, dass selbst meine Mutter meine Lüge glaubte und somit mein Lächeln erwiderte und heftig zu Winken begann.

„Machs gut Schätzchen, grüß deinen Vater von mir und melde dich“, rief sie mir noch hinterher, ich nickte und verschwand in der Wartehalle.

Durch die Fensterfront konnte ich meinen Flieger schon erkennen. Kein Großer, es war schließlich nur ein zweistündiger Flug.
Um mich rum saßen viele Leute, hauptsächlich Geschäftleute in Anzügen und Laptoptaschen in der Hand.

Ich schüttelte resignierend den Kopf. „Mach dir keine Sorgen um mich Mum, ich schaffe das“, flüsterte ich und strich über den Anhänger meiner Kette.
Ein altes Medaillon in Herzform aus rostigem Silber. Ob sich ein Foto in dessen inneren verbarg wusste ich nicht, es war verklemmt und ich hatte nie geschafft es zu öffnen.
Doch höchstwahrscheinlich war es ein Foto von irgendwelchen Urahnen meiner Familie, wie alt genau es war, wusste ich ebenfalls nicht.

„Letzter Aufruf für den Flug nach Seattle, die Passagiere mögen sich bitte an Board begeben“.

Mein Aufruf in ein neues Leben.
Ich biss mir auf die Lippe, ließ das Medaillon los, nahm mein Handgepäck – einen Parka – und begab mich an Board.

Im Flugzeug war es kühl, ganz im Gegensatz zu draußen. In Phoenix war es warme aber angenehme Vierundzwanzig Grad.
In meinem neuen Zuhause, Forks, herrschten Minusgrade und obwohl es erst Anfang Herbst war, war es dort so kalt wie bei uns nicht mal im Winter.

Der Flug verlief reibungslos, genauso wie der zweite nach Port Angeles. Als wir landeten schien die Sonne.
Ich war überrascht und auch glücklich. Hätte es geregnet, hätte ich mich höchstwahrscheinlich nicht beherrschen können und hätte Charlie wohl grimmig schlecht gelaunt begrüßt, was ziemlich ungerecht wäre, da er sich doch so auf mich freute.

„Schön dich zu sehen Bells“, meinte er ehrlich und schloss er mich in seine Arme. Etwas unbeholfen drückte er mich, was ich erwiderte.

„Es ist auch schön dich zu sehen Dad“, lächelte ich. Er mochte es nicht, wenn ich ihn Charlie nannte, auch wenn ich ihn so selten sah wollte er, dass ich ihn als Vater anerkannte.

„Wie geht es Renée? Hast du dich schon gemeldet? Wie war der Flug?“, fröhlich nahm er mir meinen Parka ab und griff nach meinem Koffer“.

„Charlie“ – das tat ich immer, wenn ich ihn ärgern wollte, „Ich bin vor ein paar Minuten gelandet. Lass mich doch erstmal ankommen“. Ich lachte, strich mir eine Haarsträhne zurück und ging zum Auto.

„Du hast recht“, meinte er resignierend und folgte mir.

Er war wie erwartet mit dem Dienstwagen gekommen. Charlie war bei den wenigen Bürgern Forks unter Chief Swan bekannt, dem Mann für alle Fälle, ein Polizist.
Unbeholfen hievte er meinen Koffer in das Auto, legte meinen Parka auf die Rückbank und stieg ein, ich tat es ihm gleich.

„Ich habe ein Auto für dich bekommen“, verkündete er mir fröhlich.
„Echt?“, ich freute mich, nur lag es bei uns in der Familie, so was weniger zeigen zu können.
„Ja, auch ganz billig. Ein alter Chevrolet, ein Transporter, wenn du mal mit deinen Freunden Shoppen gehst, hast du genug Ladefläche“, er lachte, „Sieh es als Willkommensgeschenk.“

Ich lächelte, „Danke Dad“.

Nun musste ich mir also keine Sorgen machen, wie ich morgen zur Schule kommen würde. Ein Auto hatte ich, denn mit dem Dienstwagen meines Vaters wollte ich bloß kein Aufsehen erregen.

Sicherlich würde morgen sowieso die ganze Aufmerksamkeit auf mir liegen. Die Tochter des geschiedenen Polizisten, sicherlich eine Attraktion.

Und genau wie Charlie wussten sie alle nicht, wieso ich meine Mutter verließ um in Forks zu leben. Ganz bestimmt hatten sie schon eine Menge spekuliert, ich wollte gar nicht wissen, welche irren Gedanken sie sich ausgemalt hatten. Aber zum Glück würde ich diese auch nicht erfahren.

„Ich hoffe du lebst dich schnell ein, Bells“, sagte Charlie.
„Das denke ich doch. Ich habe keine Schwierigkeiten Freunde zu finden“, nur auf andere zuzugehen, dachte ich im Stillen.
Ich war zwar nett zu anderen, wurde auch relativ schnell ins Herz anderer geschlossen und machte mir nie Feinde, aber ich war schüchtern und sehr unsicher. Jeder Blick war wie ein Messerstich in mein Herz und jedes Flüstern, so dachte ich, galt sofort mir, weil ich etwas Falsch machte.

Um uns rum wurde es immer grüner.
Die Straßen weniger und hügeliger. Die Wälder wurden immer dichter und die Felder immer weiter.
Forks.

Es hatte sich nichts verändert seit meinem letzten Besuch vor zehn Jahren. Leider.
Alles war immer noch so grün.

Dann waren wie endlich bei Charlie, genauer –jetzt waren wie endlich bei meinem neuen Zuhause.

Er hatte das Haus, indem er und meine Mutter vor gut Achtzehnjahren gewohnt hatten, weder verkauft noch renoviert. Alles sah so aus wie früher.
Wahrscheinlich hatte er es nicht über sein kaputtes Herz gebracht, irgendwas zu verändern, was seine geliebte Renée gemacht hatte, er hatte sie nie überwunden.

Vor dem Haus stand mein neues Auto. Ich staunte nicht schlecht. Es sah gar nicht so alt aus, der Lack war etwas abgesplittert und die Scheiben schmutzig aber sonst sah es ganz ordentlich aus.
Morgenfrüh würde sich herausstellen, ob Chevy und ich eine Zukunft hatten.

Die Einrichtung des Hauses war immer noch dieselbe. Lediglich eine Veränderung hatte Charlie im ganzen Haus gemacht. Er hatte meine Babywiege gegen ein Bett ausgetauscht und einen Schreibtisch gekauft, der stand gegenüber von dem Kleiderschrank.

Ich legte meinen Parka auf den Schreibtisch, stellte meinen Koffer neben den Kleiderschrank und sortierte die wenigen Klamotten ein.

Ich musste unbedingt am Wochenende nach Seattle fahren und einkaufen gehen. In Phoenix hatten meine Mutter und ich einfach keine geeigneten Klamotten finden können, die dem Wetter in Forks hätten standhalten können.

So besaß ich nun meinen Parka, ein paar lange Jeans, sowie ein Rock, mehrere Blusen, Sweatshirts und auch zwei T-Shirts, für die ‚wärmeren’ Tage.

Als ich fertig mit einräumen war, ging ich ins Bad – ich hatte mein eigenes – duschte, putzte Zähne und föhnte meine Haare.
Beim Blick in den Spiegel schluckte ich. Ich war blass. Sah aus wie tot.

Sicherlich war ich nicht das, was die Jugendlichen an der Forks High erwarten würden. Braungebrannt, Blonde, lange Haare, blaue Augen, eben ein sportliches Mädchen aus dem sonnigen Phoenix.
Und dann würde ich kommen. Käsig Blass, mittellanges, dunkles Haar, das leicht gewellt über meine Schultern fiel. Im Gegensatz zu dem sportlichen astral Körper - meine zerbrechliche Erscheinung.

Sie würden verschreckt sein, ich passte hier nirgendwo rein. Ich kam einfach nicht gut mit Leuten meines Alters – mit Leuten generell – nicht klar.

Mit dieser Einsicht ging ich in mein Zimmer, ließ die vergilbten Gardinen offen und legte mich in mein Bett, in der Hoffnung, niemals aufstehen um morgen in die Schule gehen zu müssen.

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Ich schlief nicht sonderlich gut. Ich schlief grottig.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, standen meine Haare in alle Richtungen und meine Augenringe kamen mir stärker als je zuvor vor.

Verschlafen ging ich ins Bad, putzte Zähne, kämmte meine Haare, zog mir etwas an und ging runter.
Charlie war schon weg, das hatte er auf den Zettel geschrieben, der an dem Kühlschrank pinnte.

Ich aß eine Schale Müsli bevor ich mir meine Tasche nahm und nach draußen ging.
Es regnete. Nicht wie gestern Sonne, sondern eine graue Wolkendecke, die nicht danach aussah, als würde sie heute aufreißen.

Missgelaunt ging ich zu meinem Auto, schloss es auf und setzte mich in die Fahrerkabine. Meine Tasche legte ich auf die Beifahrerseite und steckte den Schlüssel in das Schloss.

Als ich diesen umdrehte, begann der Motor zu arbeiten und es roch nach Benzin. Von den Sitzen ging ein leichter Minze- und Tabakgeruch aus.
Ich drehte das alte Radio auf, suchte mir einen Sender mit gutem Empfang und begab mich bei ‚The Scientist’ von Coldplay zu meiner neuen Schule.

Ich hatte mich vorher informiert. Die Forks High School hatte eine gesamt Schüleranzahl von Dreihundertsiebenundfünfzig Schülern. In Phoenix hatte allein mein Jahrgang mehr als die doppelte Anzahl.

Ich kannte den Weg nicht zu der High School, wusste auch nur von Fotos wie sie aussah. Aber ich fand relativ schnell das kleine Gebäude und das davor gehörige Schild mit der Aufschrift:
Forks High School.


Ohne große Angst und relativ locker betrat ich das erste Gebäude, neben welchem das Schild ‚Verwaltung’ Stand.
Das Sekretariat war nicht sonderlich groß. Genauer, es war kleiner als jede Abstellkammer.
Ein Stuhl sollte wohl einen Wartebereich darstellen, es gab kein Fenster und nur der Tresen mit den Broschüren der Schule und Vertretungsplänen zeigte, dass dies die Verwaltung sein sollte.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte eine kleine rothaarige Frau mit Brille. Ich war mir sicher, sie hatte sich ausgiebig auf meinen Besuch vorbereitet und hatte mich erkannt, sie hatte sicherlich schon die ganze Zeit wie auf Kohlen gewartet und war froh, auch mal ein bisschen Arbeit abzubekommen.

„Ja Miss, ich bin Isabella Swan“, stellte ich mir vor. Das Blitzen in ihren Augen teilte mir mit, dass es genauso war, wie ich es eben gedacht hatte.

„Ach Ja, genau“, meinte sie, währenddessen sie auf ihrem Schreibtisch rumkramte. „Hier ist dein Stundenplan“, sie reichte mir einen kleinen, zerknickten Zettel, „hier eine Übersichtskarte des Schulgeländes und – Moment, das muss hier irgendwo sein…“ sie legte die Stirn in Falten, „Ach hier. Voilà. Ein Zettel. Lass da bitte deine Lehrer am Ende der Stunde unterschreiben, den kannst du dann im Lehrerzimmer nach Schulschluss abgeben“. Sie lächelte. „Viel Spaß“.

Dies erwiderte ich, bedankte mich und ging wieder zu meinem Transporter auf den Parkplatz. Es dauerte noch eine Weile, dann würden auch die anderen kommen. Nur wenige Autos standen schon vereinzelt irgendwo.

Alles Autos, die man niemals auf einem Parkplatz einer High School in Phoenix hätte finden können. Alle Autos waren alte Modelle, nur eins, das fiel mir sofort auf.
Ein Volvo hob sich von den anderen ab.

Nachdem ich meinen Rundblick beendet, auf den Stundenplan erkannt, dass ich in der ersten Deutsch hatte und meine Kapuze übergestülpt hatte, ging ich im normalen Tempo in Haus Drei. Beim ersten Blick war mir gar nicht aufgefallen, wie groß das Schulgelände war.

Ich zog meine Jacke enger und ging den Gang entlang, bis ich vor einer offenen Tür Halt machte.
„Ruhig Bella“, flüsterte ich, atmete tief ein und betrat meine neue Klasse.

Mr Mason begrüßte mich weniger freundlich, eher glotze er mich an.
Ich merkte, wie ich rot wurde und senkte meinen Blick. Mein Deutschlehrer teilte mir einen Platz in der letzten Reihe zu.

Als es klingelte wollte ich nur eins – raus.

„Du bist doch Isabella Swan, nicht wahr? Die Neue?“, fragte ein Junge mit fettigen Haaren und lächelte mich schmierig an.
„Bella“, meinte ich etwas genervt und legte mir meine Tasche um.
„Bella, was hast du denn in der nächsten? Ich könnte dich zu der nächsten Stunde begleiten“.
In diesem Moment ließ ich ein Stoßgebet gen Himmel los, dass wir die nächste Stunde nicht zusammen hatten.

„Politik, bei, äh, Jefferson in Haus Sechs“, meinte ich, hörte man da etwas ein klein wenig Angst, dass er mir jetzt bestätigte, ebenfalls diesem Fach anzutreten?

„Oh Schade, ich habe jetzt Erdkunde. Aber Ich bin in Haus Vier, ich kann dich noch ein Stück begleiten“, meinte er sichtlich enttäuscht und ging los.

Verkrampft begann ich gezwungen zu lächeln. „Dankesehr“.

„Forks ist anders als Phoenix, oder?“, begann er.
„Ja, sehr“.
„Scheint oft die Sonne, da ist es warm. Ganz im Gegenteil zu hier“
„Ja“
„Du bist aber nicht braun. Also, nicht so, wie ich es von einem Sonnenmädchen erwartet hätte“, entschuldigen guckte er mich an.
„Meine Oma ist Albino“.

Geschockt blieb er stehen und guckte mich an, ich schüttelte den Kopf und seufzte. Anscheinend teilten wir nicht den gleichen Sinn Humor.

„Also, hier ist Haus Sechs, ich wünsche dir viel Glück“.
„Danke“, ich lächelte ihn aufmunternd an, da er immer noch sichtlich geschockt war und betrat meinen Klassenraum.
Ein paar Gesichter kamen mir bekannt vor aus der ersten Stunde und ich setzte mich neben ein Mädchen. Als sie ihren Namen gesagt hatte, hatte ich ihn wenige Minuten später schon wieder vergessen.

So ging die zweite Stunde rum, mit Neugierigen Blicken, und ich ging zu Spanisch, mit dem Mädchen was neben mir gesessen hatte.

Da wir auch die Dritte Stunde zusammen hatten und ich nun nicht mehr ganz allein war, ging ich mit ihr zusammen auch in die Cafeteria.

Ich saß an einem Tisch mit vielen Fremden Gesichtern, denen ich keine Namen zuordnen konnte, obwohl sie sich vorgestellt hatten.
Alle fragten mich unsinniges Zeug, ob es in Phoenix oft regnete, wieso ich hier freiwillig auf das Land ziehen würde, und ob alle so blass wären, wie ich.

Ich war gelangweilt, ließ mir dies jedoch nicht anmerken und beantwortete schön brav alle Fragen mit einem Lächeln.

Und als ich dort saß und versuchte mich mit sieben neugierigen Fremden zu unterhalten, sah ich sie zum ersten mal. Sie saßen an einem Tisch in einer entfernten Ecke der Cafeteria, so weit weg von unserem Tisch wie es in dem langen Raum möglich war. Sie waren zu fünft. Sie redeten nicht und sie aßen nicht, obwohl vor allen ein Tablett mit unberührtem Essen stand. Im Gegensatz zu den meisten anderen glotzen sie mich nicht an, sodass ich sie meinerseits betrachten konnte ohne fürchten zu müssen, exzessiv interessierten Blicken zu begegnen. Doch all das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit erregte – und fesselte.

„Wer ist das?“, fragte ich leise und stupste das Mädchen neben mir an, dessen Name ich vergessen hatte.

„Ach“, sie verdrehte die Augen. Und in dem Moment drehte sich einer von ihnen zu ihr um, als hätte sie ihn laut gerufen. Er legte seine Stirn in Falten, als er mich sah und drehte sich wieder weg.
„Das sind die Cullens“. Sie rutsche näher an mich ran, um mir mehr erzählen zu können.
„Das sind Edward und Emmet Cullen“, sie zeigte auf den Jungen der uns eben angeschaut hatte und auf den daneben, „Das sind Rosalie und Jasper Hale“, flüsterte sie leise. In den Moment stand die Fünfte auf.
„Das ist Alice Cullen; alle Fünf leben in der Villa von Dr. Cullen und seiner Frau. Beide sind noch sehr jung und haben die Fünf adoptiert.“ Sie sprach, als wäre es etwas Schlimmes.

„Das ist aber sehr nett“, meinte ich nur achtungsvoll. Sehr Jung und dann eine halbe Großfamilie, ich fand, das hatte Achtung verdient.

„Ja, schon.“.

„Sie sind“, ich ließ schüchtern meinen Blick sinken.
„Sehr hübsch?“, beendete Jessica – ihr Name war mir wieder eingefallen – und ich nickte.
„Ja, da hast du Recht. Überirdisch Hübsch. Aber denk gar nicht erst daran“, sie kicherte, als sie meinen fragenden Blick sah.
„Sie sind alle zusammen, sie wohnen zusammen, damit meine ich, Emmet und Rosalie und Jasper und Alice“.

„Und Edward?“, fragte ich.
„Er ist allein, aber mach dir keine Hoffnungen. Ja klar, er ist ein Gott, was sein Aussehen betrifft, aber“, sie machte eine kleine Pause und mir schien es fast so, als ob sie sich selbst schon an ihm die Zähne ausgebissen hatte, „er ist nicht an Mädchen aus Forks interessiert, sind ihm wohl alle nicht hübsch genug“, sie rümpfte die Nase.

Es klingelte, wir brachten unsere Tablettes weg und ich machte mich auf zu Biologie in Haus Zwei.

Als ich ankam, hatte die Stunde schon begonnen. Ich klopfte zaghaft an die Tür, trat ein und gab dem Lehrer meinen Zettel.

Mr Banner – mein Biologie Lehrer, unterschrieb den Zettel, reichte ihn mir und deutete auf einen Platz in der Vorletzten Reihe, direkt neben –mein Herz machte einen Sprung- Edward Cullen.

Mein Herzklopfen wurde schneller, als ich merkte, dass ich, je näher ich ihm kam, er mehr zusammenkrampfte.
Es sah fast so als, als würde ihm etwas wehtun. Seine Hände hatte er auf dem Tisch zu Fäusten geballt.

Unsicher setzte ich mich neben ihn. Genau in dem Moment rutschte er auf die äußerste Kante seines Stuhls und blickte auf seine Fäuste. Das Blut war schon aus ihnen gewichen, sie waren gelblich weiß, so feste drückte er sie zusammen.

Er rümpfte die Nase und atmete unregelmäßig, ich wandte mich von ihm ab und roch unauffällig an meine Haaren, roch ich etwa?

Doch ich merkte nichts, meine Haare rochen wie immer, nach meinem Shampoo.

Ich versuchte mich dem Unterricht zu widmen um den verkrampften Edward neben mir zu vergessen.

Noch einmal wagte ich einen Blick zu ihm. Sein Oberarm war angespannt und mit Muskeln überzogen. Es sah aus, als würde er täglich hart trainieren.
Sein Blick war ernsthaft und hasserfüllt.

Genau in dem Moment, als ich ihn musterte, blickte er mich an.
Seine Augen waren Schlitze.
Ich hatte Angst.

Er blickte mich so starr und angsteinflößend an, dass es aussah, als würde er nicht mehr atmen.

Ich schaute zur Tafel und versuchte zu erkennen, was Mr Banner aufgeschrieben hatte. Es klappte nicht, Edward lenkte mich zu sehr ab.

Ich riskierte es ein weiteres Mal und blickte zu ihm, bereute es jedoch keine Sekunde später.
Sein Blick lag immer noch auf mir, hasserfüllter denn je.
Was hatte ich ihm denn getan? Er kannte mich doch gar nicht.

Aber sein Blick war offensichtlich. Hass, nichts Weiteres als blanker Hass.

Ich schreckte zurück und drehte mich weg von ihm, wartete ängstlich auf das erlösende Klingeln und hing meinen Gedanken nach.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich schon längst unter der Erde.

Ich war überglücklich, als es am Ende der Stunde klingelte.
Edward Cullen verließ schnell, viel zu schnell für meine Augen, den Raum, sodass ich fast das Gefühl hatte, dass er nur eine Illusion in meinen Träumen war und gerade neben mir mit einer Traumwolke verpufft war.

Aber seine Schwester Alice war noch im Raum und packte langsamer als Edward zusammen, was mir bestätigte, dass er real war.

In den letzten beiden Stunden hatte ich Sport. Doch als ich endlich die Halle gefunden hatte, wurde mir mitgeteilt, dass mein Sportlehrer Coach Clapp einen Beinbruch erlitten hatte und nun die letzten beiden Ausfielen.

„Sag mal, was war denn mit Cullen los? Ich meine, er ist immer ein bisschen anders. Aber, was hast du mit ihm gemacht? Ihm Etwa dein Bleistift in den Arm gerammt?“, fragte mich Jessica, die mich noch mit zum Lehrerzimmer begleiten wollte.

„Der Junge neben mir in Biologie?“, arglos blickte ich sie an, „Ist er nicht immer so?“.

„Nein, also schon ja. Verschlossen. Aber nicht so“, sie blickte mich an, „Hasserfüllt“.

Es war ihr also aufgefallen, dass er sich anders verhielt als sonst.
Aber konnte es wirklich sein, dass Edward Cullen mich hasste? Obwohl er mich doch gar nicht kannte?

„Er ist ein komischer Typ“, mischte sich Mike ein, ein Junge, den ich noch aus der Cafeteria kannte.
„Wenn ich das Glück hätte, auch nur zwei Plätze von dir entfernt zu sitzen, ich würde“, er lächelte mich an, „ich würde nur mit dir sprechen“.

Ich erwiderte ein Dankbares Lächeln und ging mit Jessica zum Lehrerzimmer.
„Also, mach’s gut Bella. Wir sehen uns morgen“, meinte sie fröhlich, umarmte mich stürmisch und ging.

Ich war etwas unvorbereitet auf eine weitere Begegnung und war ziemlich geschockt als ich Edward keinen Zentimeter vor mir erkannte. In Gedanken versunken hatte ich ihn fast umgerannt.

„Tschuldige“, flüsterte ich leise. Viel zu Langsam für einen Edward Cullen drehte er sich zu mir um, meinte zu der Dame, mit der er eben gesprochen hatte, dass er es verstehen würde und er dann halt weiterhin an Biologie teilnehmen würde, blickte mich noch mal hasserfüllt an und verließ überstürzt den Raum.

Überfordert stand ich nun alleine vor dem Lehrerzimmer.

„Isabella“, lächelte die Sekretärin freundlich, „wie war dein erster Tag?“.


„Super“, log ich lächelnd, reichte ihr den Zettel und ging zu meinem Transporter.

Ich schluckte und unterdrückte die Tränen. So fertig machte mich es, dass ich grundlos von Edward Cullen gehasst wurde.
Grundlos.


1.9.08 14:59


Kapitel Zwei

Wie ein offenes Buch (Open Book)


Am nächsten Morgen wachte ich von alleine, ganz ohne Wecker, auf. Mir fiel ein, dass ich mich bei Renée melden wollte, also schrieb ich schnell eine Sms, ich würde am Wochenende in das nächste Internetcafe in Port Angeles gehen um ihr eine längere Mail zu schreiben.
Danach ging ich in das Bad, putzte meine Zähne und zog mich an.
Diesmal war ich weniger aufgeregt vielmehr entspannter als am Vortag, da ich wusste, was mich erwartete. Charlie war, wie gestern auch, schon weg und ich ließ das Frühstück heute ausfallen, um auf dem Weg zur Schule noch einige Hefte im Schreibwarenladen zukaufen.

Ich setzte mich in meinen Transporter, startete den Motor und suchte mir den Weg zu dem kleinen Kiosk in Forks.
Nach wenigen Minuten hatte ich diesen auch gefunden, schließlich hatte mir ihn Charlie beim Abendessen gründlich beschrieben.

Draußen vor dem Laden standen zwei Autos, ein Volvo und ein Chevy. Der Laden würde auch nicht richtig Umsatzmachen, dachte ich, hier in Forks leben doch nur wenige.
Drinnen wurde es warm, sodass ich in meinem Parka zu schwitzen begann.
Ich ging durch die Regale auf der Suche nach Heften.

„Wenn ich es ihnen doch sage, wir haben diese CD nicht“
Zufällig bekam ich das Gespräch von der Verkäuferin und einem Kunden mit. Kurz blickte ich auf, da ich fragen wollte, wo das Regal mit den Heften ist, als es mich wie ein Blitz traf.
„Hören Sie Miss“, ihr Gegenüber blickte ihr tief in die Augen, sodass sie nur so unter seinen Händen zu schmelzen begann, „Ich brauche diese Cd dringend. Sicher, dass sie nicht noch eine haben?“
„Ich…“, benommen nickte die Dame, „Ich werde mal im Lager gucken“.

Ich schluckte und versteckte mich hinter einem der Regale.

Was machte Edward hier?
Ängstlich beobachtete ich ihn, wie er nun ungeduldig auf die Verkäuferin wartete und sich im Laden umguckte.



„Hier. Wir hatten doch noch eine im Lager“, lächelte die Verkäuferin und reichte Edward die rote CD.
„Danke Miss“, lächelte er freundlich und ging zur Kasse.

Völlig benommen ging ich aus dem Laden und vergaß ganz die Hefte, die ich kaufen wollte.
In Gedanken fuhr ich zum Parkplatz, stieg aus und ging zur Schule, wo mich Jessica und ein Mädchen erwarteten.

„Das ist Angela, eine gute Freundin.“, machte Jessica uns bekannt. Schüchtern lächelte ich zur Begrüßung, was sie sofort erwiderte.

Somit trennten sich unsere Wege, ich ging zu Deutsch und die beiden zu Kunst. In der zweiten Stunde fanden wir wieder zusammen genauso wie in der Dritten, die wir ebenfalls teilten.

Nach der Dritten begann mein Herz schneller zu schlagen, immer kürzer kam mir der Weg zu der Cafeteria vor. Würde Edward mich wieder so angucken?

So hasserfüllt und abwertend?
Was erwartete ich überhaupt?



Ich schluckte und ging nach Angela und Jessica in die Cafeteria.
Ich blickte mich suchend um.

„Suchst du wen?“, fragte Jessica, dabei hatte sie es längst auch schon bemerkt.

Die Cullens saßen wie auch gestern an ihrem Tisch, vor ihnen das unberührte Essen. Nur eine Sache war anders, eine ganz bedeutende, eine die ich Suchte.
Edward.

 

Im Gegensatz zu gestern waren die Cullens zu viert.

Um Jessicas Frage zu beantworten schüttelte ich den Kopf und folgte den anderen zu einem Tisch.



Vielleicht würde Edward heute einfach nur später kommen, schließlich war er nicht krank. Ich hatte ihn heute morgen ja schon gesehen.
Er kam nicht und ich wurde immer angespannter.
Als es klingelte ging ich zu Biologie, mit pochenden Herzen öffnete ich die Tür.
Auch hier war er nicht.
Er war nicht in der Schule.

Und das war das erste mal, dass ich mich fragte, was mit mir geschah.
Einerseits war ich erleichtert, dass ich heute normal am Unterricht teilnehmen konnte, auf der anderen Seite traurig, da Edward nicht da war.
Und ich wusste nicht mal warum.

„Bella“, wie aus dem Nichts stand Mike vor mir, „Nächste Woche Sonntag wollen wir einen Ausflug machen, hättest du Lust eventuell mitzukommen?“.
„Klar“, meinte ich und freute mich, dass Mike auf mich zukam.

Ich breitete meine Sachen auf dem Tisch aus, schließlich hatte ich jetzt auch seine Hälfte. War doch viel besser so.
Das redete ich mir bis zum Ende der Stunde ein, dass es besser war, dass er nicht da war.
Irgendetwas brachte mich dazu, dass zu denken.
Es ist besser so.

Und doch wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich der Grund für sein Verschwinden war.
Ich wusste den Grund zwar nicht und es war auch ganz schön egozentrisch, aber ich musste immer wieder an seinen Hasserfüllten Blick denken. So kam es mir aus einem unerklärlichen Blick vor, dass er wegen mir schwänzte, um mir aus dem Weg zu gehen.

Wie gestern fiel Sport wieder aus, sodass ich überlegte etwas Einzukaufen um Charlie und mir heute Abend was schönes zu Kochen.
Mir war aufgefallen, dass er nicht gerade als Jamie Oliver geboren war und es mehr Tütensuppen und Tiefkühlpizza gab als Frisches.

Als ich in meinem Transporter darauf wartete, dass der Parkplatz leerer wurde, fielen mir die Cullens auf. Bisher hatte ich mir zu sehr auf Edward konzentriert, als dass ich einen der anderen Vier hätte beobachten können.
Doch jetzt sah ich sie das erste, richtige Mal aus der Nähe.

Rosalie, eine zeitlose Schönheit, fast als ob sie gerade von dem Cover einer angesagten Modezeitung entsprungen wäre.
Emmet und Jasper, neben denen jeder andere Junge wie eine graue Maus rüberkam und Alice, die im Gegensatz zu Rosalie eher zierlich schön stark auffallend war. Sie hatte kurze, schwarze Haare, leuchtende, Karamellfarbene Augen – wie Edward – und knallrote Lippen.
So unterschiedlich sie alle Vier waren, umso ähnlicher wirkten sie alle durch ihren blassen Teint.
Ihre Haut schimmerte in meinen Augen schon fast weiß, was mir bei Edward gar nicht aufgefallen war. Doch trotz der kränklichen Blässe wirkten dadurch alle nur noch schöner und edler.

Ich schüttelte den Kopf um von ihnen loszukommen.
Wie sah ich denn neben solchen Leuten aus, wie eine hässliche, kleine Gans.

Traurig startete ich den Motor und suchte den Supermarkt.

Diesen hatte ich schnell gefunden. Nachdem ich den Transporter zugeschlossen hatte betrat ich den Laden und überlegte mir, was ich heute Abend kochen würde.
Ich entschloss mich schließlich für einen Nudelauflauf, der ging schnell sodass ich noch Hausaufgaben machen konnte.

Als ich alles eingekauft hatte, fuhr ich nachhause, suchte eine Auflaufschale, füllte diese mit Nudeln, Soße und Käse und schob das ganze in den Backofen.

Als ich fertig war schnappte ich mir meine Sachen und ging nach oben um zu Duschen.
Ich zog mir schlabberige Sachen an, Band meine Haare zusammen, aus denen immer noch das Wasser tropfte und holte meine Bücher aus der Tasche.

Gegen Sieben kam Charlie nachhause.
„Was reicht hier denn so lecker, Bells?“, rief er, und ich stolperte grinsend die Treppe runter.
„Danke, ich habe einen Nudelauflauf gekocht“, meinte ich stolz und umarmte Charlie zur Begrüßung.
Lächelnd legte er seine Sachen ab und kam in die Küche. Er nahm auf einem der Stühle Platz und schaute mir dabei zu, wie ich den Auflauf aus dem Ofen holte und auf den Tisch stellte.
„Sieht echt fantastisch aus, an dir ist noch ein Kochprofi verloren gegangen“, lächelte er und tat mir und ihm auf.
Ich lachte.
„Das kannst du erst sagen, wenn du ihn probiert hast“.
Er nickte.

„Wie kommst du mit der Schule zurecht?“, fragte er, nach einigen angenehmen Minuten des Schweigens.
„Sehr gut, ich habe sogar schon ein paar Freunde gefunden“, erzählte ich ihm stolz.
„Das ist schön, wer denn?“.
Ich wollte gerade erwidern, dass er sie doch sowieso nicht kennen würde, bis mir einfiel das in Forks zur High School ging.
Das Dorf, wo jeder jeden kannte.
„Jessica und Mike“.
„Ach so“, er legte seine Stirn in Falten, „Mike Newton, gefällt er dir?“, grinste Charlie.
Genervt verdrehte ich die Augen.
„Nein Dad. Alle Typen sind hier etwas speziell“, eigentlich keiner außer Edward.

„Dad?“, ich schob die Nudeln auf meinem Teller hin und her. „Kennst du die Cullens?“, zögernd blickte ich ihn an.
Charlie begann übermütig zu nicken.
„Natürlich. Dr. Cullen ist einer der besten Ärzte die Forks je hatte“.
„Also… es kommt mir ein bisschen so vor als ob…als ob die Einwohner nicht so richtig mit ihnen zufrieden wären…“
„Ach Bells, glaube nicht immer allen. Forks kann froh sein, einen so guten Arzt wie Dr. Cullen zu haben. Ich schätze ihn sehr“
„Ich hatte auch das Gefühl, dass sie nett sind Dad. Aber…“
„Nichts aber Bells, und jetzt iss auf“, damit war unsere Konversation beendet und wir schwiegen.

Edward Cullen kam die ganze nächste Woche nicht wieder zur Schule.

Ich war erleichtert, jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Biologiestunde antrat und er nicht da war. Wären seine Geschwister nicht da gewesen, hätte ich gedacht, dass sie plötzlich weggezogen wären. Aber so war er wahrscheinlich einfach nur krank.

Mein Wochenende verlief reibungslos. Als ich am Samstag nach Port Angeles fahren wollte, meinte Charlie nur, dass ich dies lieber auf nächste Woche verschieben solle, dann könnte er mich fahren. Mit meinem Transporter würde das ja ewig dauern.
Ich fand mich damit ab und verbrachte somit mein Wochenende mit lernen und schrieb meiner Mutter eine E-Mail von Jessicas Pc, es gab hier Menschen mit Internet.

Renée hatte sich schon ein paar mal gemeldet und sich Sorgen gemacht, ich hatte sie beruhigt und gesagt, ich würde sie nächste Woche mal anrufen.


Als ich am Montagmorgen auf dem Parkplatz hielt, begann es zu schneien. Der Himmel war grau und meine Laune ebenfalls. Genervt versuchte ich mir den Schnee vom Gesicht fernzuhalten und rannte in die Schule, wobei ich natürlich ein paar Mal hinfiel.

Als wir nach der dritten Stunde nach draußen traten schneite es immer noch. Meine Haare waren nass und hingen strähnig über meine Schultern.
„Das sieht echt süß aus“, meinte Mike und strich mir durch die Haare. Davon war ich alles andere als begeistert und wich ein Stück von ihm, er stockte in seiner Bewegung.

Ich trat hinter Jessica, Mike und Angela in die Cafeteria.

Hätte ich in diesem Moment gelacht, wäre mir dieses wahrscheinlich sofort von den Lippen verschwunden.
Ich ließ, eher aus Gewohnheit, meinen Blick in die Ecke kreisen.
Fünf Personen.

Ich schluckte, mir war auf einmal so schlecht.
„Geht es dir nicht gut Bella?“, fragte Angela, die meinen wankenden Schritt bemerkt hatte und mich am Arm genommen hatte.
„Doch…“, ich schloss kurz meine Augen.
„Ich möchte heute nichts essen. Ich muss mich kurz hinsetzten“

Und schon wieder hatte er es geschafft.
Ohne auch nur irgendetwas zutun, hatte Edward Cullen mich aus der Fassung gebracht.
Das war doch lächerlich.

Ich legte meinen Kopf kurz auf meine Arme, die ich auf den Tisch gelegt hatte und versuchte die beruhigende Dunkelheit auf mich einwirken zu lassen und die Stimmen um mich rum auszublenden.

„Edward Cullen guckt dich an“, zischte mir Jessica von der Seite zu.
Schnell schreckte ich auf und guckte sie an.
„Nicht hingucken, das ist zu auffällig“, sie grinste. „Er guckt nicht“, ich wurde wieder ruhiger, „er starrt dich an“, sie lachte.


„Guckt er böse?“, fragte ich zaghaft, worauf sie ihren Kopf schief legte.


„Nein, eher verträumt“, sie lächelte, „wieso sollte er böse gucken?“.
„Ich denke er mag mich nicht.“
„Du denkst?“
„Ja.“
Bella“, sie schaute mich an, als wäre ich ein kleines Kind, das eine Dummheit getan hatte, „Edward Cullen ist unvorhersehbar. Bei ihm darfst du nicht denken“.

Ich antwortete nicht, sondern drehte meinen Kopf in seine Richtung.

Jessica hatte recht.
Edwards Blick lag immer noch auf mir. Ganz ruhig und sanft schaute er mich an.



„Ich glaube aber, er kann mich nicht leiden“.
„Das wirst du wohl recht haben, sie können niemanden leiden.“
Ich nickte, das konnte ich mir schon denken.
„Obwohl“, Jessica lächelte mich verschmitzt an, „er guckt dich immer noch an, ungewöhnlich. Vielleicht redet er ja heute in Biologie mit dir“.

Mein Herz blieb stehen.
Biologie.
Das hatte ich total vergessen. Ich saß neben ihm.

Ich konnte nicht weg, nicht abhauen.
Angst.

Es klingelte und nach und nach verließen die Schüler die Cafeteria. In dem Gewühl verlor ich auch Edward, sodass ich seufzend aufstand um der Horrorstunde anzutreten.

Mein Atem wurde wieder ruhiger, als ich am Bioraum ankam und der Platz noch leer war. Ich setzte mich und legte meine Tasche ab.
Mr Banner war schon im Raum und verteilte Mikroskope und Präparate.
Ich kritzelte auf meinem Blog wirres Zeug herum.

„Das ist gut“, ich erschrak von dem plötzlichen Kommentar, dass hatte wohl auch der Verfasser gemerkt. „Nein ehrlich“.

Ich blickte Edward ängstlich an und saß starr wie ein Brett auf meinem Platz.
„Zeichnest du gerne?“, ich nickte und ließ meine Skizze in meiner Tasche verschwinden.

„Hallo“, er reichte mir seine kräftige Hand. „Ich bin Edward Cullen, wir sind letzte Woche leider nicht zu einer Unterhaltung gekommen“, immer noch lächelte er und ich ließ ängstlich meine schwache, kleine zierliche Hand in seine starke fallen.

„Du musst Bella Swan sein“

Wieder nickte ich, bemerkte gar nicht, dass er auf Anhieb wusste mich Bella und nicht Isabella zu nennen, sondern verkrampfte nur noch mehr in meiner Position. Die Angst steckte mir bis zum Hals.

Irgendetwas sagte mir, jetzt wegzurennen und nicht weiter auf Edward Cullen einzugehen.

Komisch, wo ich es mir doch sonst so gewünscht hatte. Jetzt lief ich davon weg.

Mit zitternden Händen meldete ich mich. „Mr Banner?“, rief ich und ignorierte die ungewollte Aufmerksamkeit meiner Mitschüler.
„Isabella?“
„Mir ist schwindelig, könnte ich vielleicht eine Weile…“
„Ja klar. Edward, begleite du sie bitte“, ich riss meine Augen auf und blickte Edward an, der nur lächelnd nickte.
„Natürlich Mr Banner, ich werde sie nicht aus den Augen lassen“.

Die Worte von Edward, die Mr Banner so beruhigten, wirkten auf mich eher erdrückend und wie eine Drohung.

„Kannst du stehen?“, fragte er mich.
Ich nickte.


„Ist dir schlecht? Musst du dich übergeben?“
Ich schüttelte den Kopf.

„Also Bella“, er lachte, auf eine Art und Weise, dass wenn meine Angst nicht da gewesen wäre, ich ihm jetzt vor die Füße gefallen wäre. „Wenn du immer so wenig sprichst, dann wird das aber ein ruhiges Schuljahr“.

Ich schluckte und guckte ihn mit großen Augen an, was ihn schon wieder zum Lächeln brachte.
„Ich bringe dich mal an die frische Luft“
Wieder nickte ich.


Luft war jetzt gut.



Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen, mir fiel es doch schwerer zu gehen, als ich es gedacht hatte. Die Übelkeit steckte in mir.
„Bella, du kippst gleich um“.
Ich schüttelte den Kopf, doch das war von Edward keine Frage sondern Feststellung.

Ohne dass ich hätte reagieren können, was in meiner Situation sowieso unmöglich gewesen wäre, packte er mich und nahm mich auf den Arm.

Ich war so gelähmt, dass ich nicht mal da protestieren konnte. Eher fühlte ich mich noch schlechter als vorher auch wenn ich den Geruch von Edward genoss. Mein Kreislauf wurde immer unstabiler. Alles drehte sich.

„Bella?“

Bella?

Ich atmete tief durch, da ich das Gefühl hatte, meine Lunge schnürte sich zu.
Mein Kopf tat weg, meine Hände und Füße kribbelten und mein Hals wurde enger und enger.

„Isabella?“, wieder hörte ich die ruhige, musikalische Stimme Edwards doch ich schaffte es nicht zu antworten.
„Mist“.

Das letzte was ich hörte war das starten eines Motors.

___________________

 


„Ich glaube sie kommt zu sich“
„Ja, schnell geh raus. Nicht das sie gleich noch mal wegkippt, wenn sie dich sieht“.

„Holst du mich dann?“
„Ja“.



Ich blinzelte.
Das Licht war greller denn je.


„Miss Swan?“ als ich die Stimme hörte, zwang ich mich meine Augen ganz zu öffnen.


„Wer sind Sie?“, fragte ich verwirrt und versuchte mich aufzurichten.
„Ich bin Dr. Cullen, Sie sind im Krankenhaus.“.
„Was?“, geschockt setzte ich mich auf und blickte den Arzt an.
„Ganz ruhig. Sie hatten einen kleinen Schwächeanfall. Aber nichts Schlimmes.“
„Schwäche…“
„Ja, Schwächeanfall. Mein Sohn hat sie hierher gebracht. Er meinte, sie sind in Biologie einfach zusammengebrochen. Nehmen Sie Medikamente? Oder haben sie im Unterricht irgendwas durchgenommen, was sie nicht sehen können? Blutproben?“. Dr Cullen guckte auf sein Brett und dann wieder zu mir.
„Nein…Nein nicht das ich wüsste. Mir war plötzlich schlecht und ich wollte nach draußen“.
„Ah“, Dr. Cullen zog eine Augenbraue hoch, schrieb etwas auf das Brett und ging dann. „Hier ist noch Jemand, der die ganze Zeit gewartet hat, dass sie aufwachen“.

„Wie lange habe ich denn geschlafen?“, fragte ich und suchte erfolglos nach einer Uhr.
„Naja, eigentlich nur Zwanzig Minuten“.
Ich schreckte auf, als ich die Stimme erkannte.
„Edward, was machst du hier?“.

„Wow“, er lachte und setzte sich an mein Bettende. „Du kannst ja reden“, verlegen lief ich rot an.
„Ich habe dich ins Krankenhaus gefahren, weißt du nicht mehr?“, er lächelte.
„Das war echt unnötig, aber danke“, meinte ich und lehnte mich an mein Kopfkissen.
„Unnötig? Du warst Kreidebleich, ich dachte, du stirbst mir in den Armen weg“.
Diesmal lachte er nicht, sondern war völlig ernst. Er legte seine Stirn in Falten, als ob er gründlich über seine Worte nachdenken würde.

Wir Schwiegen.
Aber ich empfand es nicht als das angenehme Schweigen zwischen Charlie und mir, sondern unangenehm.
Ich starrte aus dem Fenster.

„Du bist unglücklich“, stellte Edward fest.
Empört drehte ich mich in seine Richtung.
„Wie kommst du darauf? Das stimmt gar nicht“, meinte ich, doch er lehnte sich nur gemütlich zurück und nickte mit dem Kopf.
„Doch bist du. Ich weiß zwar nicht warum“, er stockte kurz, als würde es etwas besonderes sein, meine Gedanken nicht zu kennen, und erzählte dann weiter, „Aber du bist unglücklich. Wieso tust du dir das an?“.

Ich verstand erst nicht was er meinte.
„Wieso lässt du dir das gefallen? Dass du dich nach Forks abschieben lässt.“.

Ich schüttelte den Kopf.
„Ich habe mich nicht abschieben lassen“. Er schien verwirrt.
„Ach, das wirst du nicht verstehen“.

„Ich werde dir folgen können“
„Nein, wirst du nicht“.
„Versuchs doch“.
Ich zögerte einen Moment, schloss kurz meine Augen und begann.
„Ich habe mich nicht abschieben lassen, ich habe selbst beschlossen, hierhin zu ziehen.“
„Okay, du hast Recht. Ich kann dir nicht folgen. Wieso willst du hier leben, Forks ist kein Ort für Teenager. Man lebt nur einmal“, seine letzte Aussage ließ ihn und mich nachdenken.

„Ja, man lebt nur einmal. Meine Mutter hat neu geheiratet.“
„Und du kommst mit ihrem neuen Mann nicht klar?“
„Nein, ganz im Gegenteil. Phil ist nett. Aber meine Mutter unglücklich“.

„Bella, du hattest Recht. Jetzt bin ich vollkommen verwirrt“.
Das erste Mal in seiner Gegenwart musste ich lachen.
„Phil ist Baseballprofi. Er ist viel auf Reisen und meine Mum muss wegen mir zuhause sitzen. Dabei finde ich sollte sie Spaß haben, ihr Leben genießen und mit ihm mitreisen“.

„Ah“, er blickte mich gespannt an, als ob ihn meine Geschichte wirklich interessierte.
„Also habe ich gesagt, dass ich zu meinem Vater ziehen möchte. Jetzt hat sie freie Bahn“.

„Das ist zuvorkommen und großzügig von dir Bella“, meinte Edward, jedoch schien er nicht überzeugt. „Aber dein Glück bleibt dabei auf der Strecke, findest du nicht?“
„Was spielt das für eine Rolle?“, fragte ich ihn leise und ich merkte, wie Tränen in meine Augen schossen.

„Eine Große“, meinte Edward und beugte sich näher zu mir. Ich hielt die Luft an. Wieder kroch Angst in mich.
„Das ist es doch, was Menschen wollen. Glück“.

Ich nickte und die Tränen flossen meine Wangen runter.
„Aber manchmal muss man sich im Leben entscheiden“, flüsterte ich und schluckte. „Manchmal muss man für den anderen entscheiden, was gut für ihn ist und das eigene Glück aufgeben um es dem anderen zu schenken“.

Edward nickte.
„Es wurmt mich, nicht zu wissen was du denkst“. Er blickte mich misstrauisch an.
„Was denkst du gerade?“, er rückte noch näher an mich ran, aber anstatt Vertrauen spürte ich Angst.

„Ich weiß nicht. Wieso solltest du meine Gedanken kennen?“
„Ich kenne mich mit Menschen gut aus. Menschen sind“, er überlegte, „vorhersehbar. So kann ich gut ihre Gedanken nachvollziehen“.
Ich musste an Jessicas Worte denken, dass Edward Cullen unvorhersehbar war.

„Aber meine kannst du nicht lesen? Meine Mutter sagt immer, ich bin ihr offenes Buch“, ich lachte.
„Ich finde, ganz im Gegenteil. Du bist schwer zu durchschauen“, er lächelte und offenbarte eine Reihe perfekte, weiße Zähne.

Perfekt, wie alles an seinem Körper.

„Komm, ich bringe dich nachhause.“, meinte er und half mir aus dem Bett.
Nachdem Dr. Cullen mir versichert hatte, dass es nichts Schlimmes war, was mir passiert war, sondern wahrscheinlich nur Vitaminmangel, brachte mich Edward nachhause. In dem Volvo.

„So, hier ist es, nicht wahr?“, lächelte er und ich nickte, als ich mein Haus wiedererkannte.
„Ich hole dich dann morgen ab“, meinte er, als ich gerade das Auto verlassen wollte.
Ich drehte mich wieder zu ihm.
„Wovon?“
„Na zuhause, oder hattest du vor, zu Fuß zur Schule zu gehen?“, er lächelte ein schiefes Lächeln. „Dein Transporter steht noch auf dem Parkplatz an der Schule“.

Ich stöhnte laut auf.
„Ach so. Ach Quatsch, Charlie kann mich schon irgendwie bringen“.
Doch Edward schüttelte nur den Kopf.
„Halb Neun“.

Damit verschwand er im Volvo.

1.9.08 15:03


Kapitel Drei

Frostiges Klima (Phenomenon)


„Isabella Marie Swan, wo warst du?“, fragte mich Charlie als ich die Haustür aufgeschlossen hatte, halb besorgt, halb wütend.

Schuldbewusst senkte ich den Blick. Ich wollte Charlie nicht gleich in den ersten Wochen anlügen, ich wollte ihn gar nicht anlügen.
Aber würde ich ihm jetzt erzählen, ich wäre zusammengebrochen und im Krankenhaus wieder aufgewacht – Charlie würde mich keine Sekunde mehr aus den Augen lassen.



Ich zögerte noch einen Moment um eine Ausrede spontan aus dem Ärmel zu schütteln.
„Ich war mit Edward unterwegs“.

Charlie stutzte. Anscheinend wusste er nicht, welchen Edward ich meinte.
„Ist er aus dem Dorf?“
„Ja“.

Mein Vater stöhnte leise auf.
„Bella, ich möchte wissen, wer das ist“.
„Dr. Cullens Adoptivsohn“, ich biss mir leicht auf die Lippe. „Es tut mir Leid, Dad. Ich hätte anrufen sollen“.

„Dr. Cullen?“, der Name schien Charlie zu beruhigen, denn seine Stirn entknitterte sich. „Naja gut. Das nächste Mal sagst du mir bitte Bescheid Bells, ich mache mir doch auch nur Sorgen“, ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus, welches ich keine Sekunde später erwiderte.

„Ich werde dann mal ins Bett gehen“, meinte ich aus der Küche und stellte mein Milchglas in den Geschirrspüler.
„Ist gut“, kam einige Minuten später von Charlie, etwas misstrauisch nach einem Blick auf die Uhr.

Es war gerade mal Sechs Uhr Abends, aber ich fühlte mich nicht sonderlich gut –verständlich- weshalb ich heute einfach früh schlafen ging.

 

_____________________________

 


Am nächsten Morgen wachte ich von alleine auf.
Der Schnee draußen lag immer noch, sodass die hellen Flocken die frühe Sonne schon so stark reflektierten, dass ich die Augen zusammenkneifen musste.

Ich war gut gelaunt, dafür dass es noch früh war. Irgendein Lied pfeifend schnappte ich mir ein paar Sachen und ging ins Bad. Keine zehn Minuten später stand ich unten in der Küche.

Charlie war heute morgen mal nicht zur Arbeit. Er meinte, er wolle wenigstens einmal zusammen mit mir frühstücken.
„Und wann bist du heute wieder zuhause?“, fragte er mich währenddessen er im Tagesblatt blätterte.
„Wie immer“, lächelte ich, „Sechs Stunden“.

Charlie nickte wissend und war wieder in einen Artikel über Ahnenforschung vertieft.
„Ich werde dann mal los“, verkündete ich ihm nach einigen Minuten mit, was er nur beiläufig mit einem „Fahr vorsichtig, es ist glatt“ erwiderte, dabei jedoch nicht von dem Artikel aufsah.

Draußen schneite es schon wieder. Aber etwas war anders. Beim ersten Blick auf die Straße fiel mir der Volvo gar nicht auf.
Ich kramte genervt in meiner Tasche nach dem Schlüssel meines Transporters.

„Die findest du nie“.
Ich schreckte auf und blickte auf denjenigen, der gegen das Auto an der Straße gelehnt auf Jemanden wartete. Es war kein geringerer als Edward und er wartete auf niemand anderen als mich.

„Was macht dich da so sicher?“, lächelte ich triumphierend, als ich mich von dem Schrecken erholt hatte und zog die Schlüssel aus der Tasche.
„Gut, ok. Aber wofür brauchst du die?“, lachte Edward und stieg in seinen Volvo. Als ich mit einem Blick auf die Einfahrt bemerkte, dass mein Transporter nicht an Ort und Stelle stand, fiel mir die Sache von gestern wieder ein.

Widerwillig stieg ich ihn den Volvo.

„Wie geht es dir? Hast du gut geschlafen?“, fragte er und guckte zu mir. „Schau auf die Straße“, schrie ich vor Schreck, „Ja, wie ein Stein“, gab ich ihm als Antwort.
„Das ist schön. Also hast du dich erholt?“
„Ja“, ich verschränkte die Arme vor der Brust und pustete mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Was ist das für eine Kette?“, fragte mich Edward.
„Du sollst auf die Straße gucken“.
„Bella, meine Reaktion ist mit keiner zu vergleichen. Ich mache keinen Unfall“
„Das ist ein Familienerbstück“
„Weißt du, wie alt es ist?“
„Nein“, ich senkte den Blick auf das Medaillon.
„Von den Feinarbeiten würde ich auf das Neunzehnte Jahrhundert tippen“
„Was macht dich da so sicher?“, fragte ich leise und strick über das eingravierte Motiv.
„Glaub mir, ich kenne mich da aus.“

Wir waren an der Schule angekommen. „So, da wären wir“.
„Ja“, ich lächelte leicht. Komischerweise fiel mir das immer einfacher in seiner Gegenwart.
Gestern war ich total verschreckt und hatte Angst und heute, heute war alles anders.
„Ich denke, wir sehen uns dann in Biologie, mach es gut Bella“, ich nickte und stieg aus dem Wagen.

Auf dem Parkplatz stand tatsächlich noch mein Transporter, wie ich ihn gestern morgen verlassen hatte.

Vor der Schule wartete Jessica auf mich.
„Edward Cullen“, sie zog lächelnd eine Augenbraue hoch, „You’ve got the Crown Jewels, Baby“.
Ich strich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr.

„Nein, ich hatte kein Auto, da hat er mich gebracht“, meinte ich ehrlich.
„She’s a Maneater…“
Ich lachte. „Nein ehrlich. Das war nur höflich von ihm gemeint. Gestern war ich nicht mehr in der Lage zu fahren, da hat er mich nachhause gebracht“.
„Nicht mehr in der Lage?“, erneut zog sich Jessicas Augenbraue gen Himmel.

„Jessica“, ich rollte mit den Augen. „Los, wir müssen zu Deutsch“. Ich verschwand durch die Tür, merkte aber wie sich auf Jessicas Lippen ein Lächeln ausbreitete.

„Weißt du“, meinte Jessica als sie mich eingeholt hatte, „Edward hat noch nie ein Mädchen zur Schule gebracht“.
„Ich dachte, Rosalie und Alice fahren jeden Morgen mit ihm mit?“, lachte ich und legte meine Bücher auf den Tisch, als wir den Deutschraum erreicht hatten.
„Gott Bella, sei nicht so naiv. Wo waren die heute eigentlich?“.
Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht sind sie ja selber gefahren? Oder Dr. Cullen hat sie gebracht“. Ich widmete mich dem Buch, das wir zurzeit im Unterricht lasen. Auch wenn es mich nicht interessierte, mich nervten Jessicas Spekulationen.

„Damit ihr alleine fahren konntet“.
Ich ignorierte Jessicas Aussage.

„Guten Morgen“, ich war beruhigt als mein Deutschlehrer den Raum betrat und widmete mich dem Unterricht.

Zwischen der ersten und zweiten Stunde nervte Jessica wieder und ich war dankbarer denn je, als der Lehrer kam.

Die nächsten Stunden verliefen reibungslos und ohne Jessicas Geschwätz. Bis zur Pause hielt sie ihren Mund.

„Kommst du?“, fragte sie, als es geklingelt hatte. Ich nickte, packte meine Sachen ein und ging.

Wir kamen in der Cafeteria an. Edward saß mit seinen Geschwistern wieder in ihrer Ecke. Ich setzte mich zu den anderen und beobachtete heimlich die Cullens.
„Bella, guck ihn doch nicht so an“, stupste mich Angela an und lächelte. „Ich gucke doch gar nicht“, flüsterte ich ihr leise zu und erwiderte das Lachen.
Ich sollte mehr Selbstbeherrschung zeigen. Wenn er sieht, dass ich ihn anstarre, denkt er noch falsches.

Ich schüttelte leicht den Kopf und widmete mich einer Unterhaltung mit Mike über nächsten Sonntag. Er hatte geplant mit uns nach La Push an den Strand zu fahren, schließlich solle das Wetter super werden. Ich sagte nochmals zu, diesmal aber verbindlich und ließ mir den Strand beschreiben.

Nach der Pause trat ich die Biologiestunde an. Edward saß schon dort.
„Wie ich sehe bist du noch nicht zusammengebrochen“, amüsiert grinste er in sich hinein.
„Nein, hatte ich heute auch nicht vor“
„Soso“, er lächelte weiterhin und drehte sich zur Tafel.
Mr Banner hatte irgendeinen Versuch aufgebaut, dem ich nicht folgen konnte. Ich musterte Edward von der Seite, durch den Vorhang meiner Haare konnte er nicht sehen, wie ich ihn im Stillen bewunderte.

Als die Stunde vorbei war, rannte Edward nicht sofort raus. Er blieb auf seinem Stuhl sitzen, beobachtete mich und lächelte.

„Komisch, dass dir heute noch nichts passiert ist“.
Ich schmiss meine Bücher in die Tasche und schüttelte den Kopf.


„Du bist doch sonst so ein Magnet für Gefahr“.
„Achja, bin ich das?“, wütend blickte ich ihn an, auch wenn er recht hatte.
„Ja und das weißt du“, jetzt lachte er noch mehr.
„Was, wenn es so wäre, was wäre so schlimm daran?“, fragte ich und schob meinen Stuhl ran. Er saß immer noch ruhig auf seinem.
„Dann müsste ich dich beschützen“, so schnell wie er gerade aufgestanden war und mir das ins Ohr geflüstert hatte, so schnell war er auch aus dem Raum verschwunden.

Verwirrt schaute ich ihm hinterher und ließ mich auf seinen Stuhl fallen. Er war so kalt, als hätte Edward niemals dort gesessen.

Was war das gerade?
Es sah nicht so aus, als ob er rennen würde. Vielmehr, schweben oder fliegen.


Ich schüttelte den Kopf, das konnte ja nicht sein.

„Alles Ok?“, fragte mich ein Mädchen.
Ich nickte benommen. „Hast du das auch gerade gesehen?“, fragte ich und blickte sie an.
„Nein was?“, lächelte sie mir entgegen. Es war Alice. Edwards Schwester.

„Na“, ich schluckte und blickte in ihre Karamellfarbenen Augen, „Edward ist gerade aus dem Raum gegangen“.
„Achso“, sie schaute mich grinsend an, „Das habe ich gesehen“, sie lachte.

„Nein, nein“, ich schüttelte den Kopf. „So schnell

Alice schaute plötzlich verwundert. Hatte sie das etwa nicht gesehen?
„Wie…“, sie stockte und setzte sich zu mir auf den Tisch.


„Bist du gut mit meinem Bruder befreundet?“, fragte sie plötzlich und lächelte wieder so herzlich wie eben.
„Nein“, meinte ich leise und stand auf.
„Komisch“, sagte Alice, „Edward hat schon so viel von dir erzählt“. Sie zwinkerte mir zu und verschwand aus dem Raum.

Ich verließ den Raum um zu Sport zu gehen. Heute war unser Sportlehrer wieder da. Mir graute es schon lange vor diesem Tag, ich war einfach kein Mensch, der für Sport gemacht war.

Alles begann ganz harmlos. Wir sollten nur Vier Runden laufen.


Hamrlos. Schon nach der zweiten schleppte ich mich mit Atemnot Meter für Meter weiter.



„Sport ist wohl nicht so deins“, stellte neben mir jemand fest. Mike. Der hatte mir gerade noch gefehlt.
„Nein“, lächelte ich freundlich, dennoch gequält. Reden, rennen und atmen war einfach über meinen Möglichkeiten.
„Hättest du vielleicht Lust, also“, er schaute auf den Boden, „wir könnten ja zusammen trainieren. Wir könnten morgens ein Stück durch den Wald joggen“.
„Oh“, ich schaute ihn gequält an, „Tut mir Leid, ich habe das Wochenende wenig Zeit“.
„Naja, dann halt wann anders“, meinte er.
„Sicher“, nie nie nie nie niemals.. Ich lächelte.
„Supi“, freute er sich und überrundete mich.

Nach der Stunde zog ich mir nur den Mantel über, schnappte meine Tasche und verschwand nach draußen.
„Zieh dir was über Bella“.
„Was…?“, verwirrt drehte ich mich um und erkannte Edward. Er lehnte gegen die Wand der Sporthalle.
„Was machst du hier?“, fragte ich und ging weiter.
„Ich warte auf meine Geschwister“, natürlich.
„Dann bis morgen“.

Ich eilte zu meinem Transporter. Es war rutschig. Der Schnee hatte sich festgefroren und eine dicke Eisschicht klebte nun über der Straße.

Ich sah mehrer Dinge auf einmal, aber nichts davon geschah in Zeitlupe wie im Film.

„Bella“, war das letzte klare Wort, was aus dem Salat der Stimmen hervor ging.
Plötzlich lag ich in Edwards Armen, seine Augen lagen ruhig auf mir. Ernst, ruhig und konzentriert

„Edward, wie“, ich versuchte klare Gedanken zu fassen, was mir in diesem Moment nicht gelingen wollte.

Wie kam er so schnell von der Sporthalle zu mir?
Erst jetzt bemerkte ich die Autos, dicht um uns rum. Eins war eingebeult, genau da, wo er seine Hand ausgestreckt hatte.


Das konnte doch nicht.

„Edward, wie hast du das gemacht?“, fragte ich benommen und setzte mich hin.
„Was?“, flüsterte er leise und drückte mich sanft aber bestimmend wieder zurück auf den kalten Boden. Dabei wusste ich nicht, was kälter war. Seine Hand oder der Boden.

„Du warst so schnell hier und dann hast du das Auto angehoben“.
Er zog eine Augenbraue hoch. „Ich dachte eigentlich, dir wäre nichts passiert. Aber anscheinend hast du das etwas auf den Kopf bekommen“, stellte er besorgt fest.
„Nein“, schrie ich wütend.

„Du erzählst mir jetzt, was passiert ist“.
„Ein Wagen ist ins Rutschen gekommen und hat dich fast gefasst. Ich stand direkt neben dir und habe dich weggezogen“.
„Nein Edward“, meinte ich leise, „Ich meine nicht den Unfall. Ich meine, wie du mich gerettet hast“.
„Dich weggezogen“

„Lüg mich nicht an, Edward“, ich betonte seinen Namen extra und liebte es, ihn auszusprechen.
„Tue ich nicht“
„Schön, dann werde ich jetzt nachhause fahren“.
„Mach doch“, kam es mit plötzlicher Wut von ihm. „Kannst du nicht wenigstens Danke sagen und zufrieden sein?“
„Danke“, innerlich zeriss ich ihn in Stücke vor Wut, er hielt mich doch ehrlich für blöd.

„Du lässt nicht locker, oder?“
„Nein“
„Dann hoffe ich, dass du mit Enttäuschung umgehen kannst“
Wir funkelten uns böse an.
Er verschwand, wenn ich auch merkte, dass es ihm schwer fiel, mich in der Situation alleine zulassen.

„Bella, ist alles ok?“, hörte ich Mike fragen.
Ich nickte abwesend und ging zu meinem Transporter.

„Bells“, lächelte Charlie. Er hatte heute früher Schluss gemacht und saß am Küchentisch.
„Hi Dad“, meinte ich traurig, schnappte mir einen Müsliriegel und ging die Treppe zu meinem Zimmer hoch.
„Alles ok?“, rief er mir hinterher.

„Sicher“, meinte ich und knallte meine Zimmertür zu.
Ich konnte mich nicht erinnern mich so hintergangen und Wütend gefühlt zu haben.
Ich schmiss mich auf das Bett und blickte die Decke an.
Idiot. Redete ich mir ein, war aber genauso sicher, dass ich es nicht so meinte.

That was the first night I dreamed of Edward Cullen.

Es war sehr dunkel in meinem Traum. Vor mir stand Edward, er sah gefährlich aus und trug meine Kette. Plötzlich lächelte er, riss sich den Anhänger ab, schmiss ihn auf den Boden und rannte davon.
Ich wollte hinterher rennen. Aber er war zu schnell.
Ich wollte hinterher rufen. Aber er wollte mich nicht hören.

In meinen Gedanken spielte sich ein Dialog ab. Er war leise gesprochen und viele Hintergrundgeräusche zerstörten die leisen Worte.

„Als ob du davonlaufen könntest“
„Als ob du dich gegen mich wehren könntest“
„…Hab keine Angst, Bella“

Ich wachte auf. Ich saß aufrecht in meinem Bett und blickte in zwei Augen. Geschockte, große, Karamell Farbene Augen.

„Edward?“, flüsterte ich in mein leeres Zimmer.

Ich wurde paranoid.

1.9.08 15:05


Kapitel Vier

Ein gefragtes Mädchen (Invitations)


Am nächsten Morgen war der Schnee geschmolzen und die Sonne kämpfte sich durch die weißgraue Wolkenmasse durch, sogar in Forks.
Ich hatte die Nacht nicht mehr einschlafen können, das Gefühl, dass ich beobachtet wurde, hatte sich in meinen Kopf gedrängt und nicht mehr losgelassen.

Ich hatte mir sogar eine Nachtlampe angemacht und gelesen. Ich war mir so sicher gewesen, Augen gesehen zu haben. Und doch war es schwachsinnig.
Zudem kannte ich diese Augen. Aber ich war mir die Nacht über und jetzt auch, nicht mehr sicher gewesen, in wie fern ich geträumt hatte.
Der Dialog, war er ein Traum?

Ich war dann als die Sonne aufging zu dem Entschluss gekommen, dass ich geträumt hatte. Eine andere Erklärung gab es nicht, Basta.

Die ganze nächste Woche sprach ich nicht mit Edward. In Biologie ignorierten wir uns und in den Pausen ebenfalls. Es war so, als würden wir uns nicht kennen.
Das merkten auch die anderen, vor allem Mike und Eric, sein bester Freund. Beide wichen mir nicht von der Seite, anscheinend rechneten sie sich hohe Chancen aus.

Dass Edward nicht mit mir sprach erklärte ich mir, dass er es bitter bereute, mich gerettet zu haben.
Es machte mich traurig, aber dennoch war es Realität.

„Bella?“, fragte mich Mike, als die Pause begonnen hatte und hielt mich am Arm fest. Ich lächelte ihn freundlich an, „Mike. Wolltest du auch gerade in die Cafeteria“.
„Ja, warte mal kurz, ich möchte dich etwas fragen“, er lächelte gequält und suchte nach Worten.
„Also Bald ist dieser Winterball. Und ich wollte dich fragen ob du… Naja“, er guckte mich fragend an. „Ob du mich begleiten würdest. Ich weiß, es ist Damenwahl. Aber du bist doch so schüchtern“.

Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Nein, tut mir Leid Mike“ sagte ich und wollte weitergehen.


„Was? Wieso? Gehst du mit Cullen?“, jetzt klang er böse.
„Ich gehe gar nicht hin“

„Wieso?“
„Ich…“, ich überlegte, „Ich bin gar nicht in Forks. Ich besuche meine…Großmutter“.



„Abends? Wenn der Ball ist?“, verwundert nickte er, „Naja gut. Da kann man nichts machen“
Ich nickte zustimmend und ging in die Cafeteria.

„Bella“, begrüßte mich Angela freundlich und schloss mich in ihre Arme. „Hast du Lust heute nach der Schule mit zu mir zu kommen? Wir könnten einen Mädelstag machen“.
Ich freute mich über die Einladung und sagte dankend zu.

Nach der Pause ging ich, wie immer, zu Biologie. Mittlerweile hatte ich mich schon fast an as Ignorieren gewöhnt, umso überraschter war ich, als Edward mich angrinste, er saß schon auf seinem Platz.

„Was ist so lustig?“, fragte ich und setzte mich neben ihn. Heute saß er wieder näher an mir.
„Newton“, er lachte, sodass einige Schüler auf uns aufmerksam wurden.
Ein paar Mädchen töteten mich mit ihren Blicken, ich hatte es wohl gewagt, ihren Edward zum lachen zu bringen.
Ihre Gedanken konnte ich mir nur denken ‚Die Neue macht sich aber ganz schön an Cullen ran’.

„Mike?“, fragte ich verwirrt.
„Er ist ganz schön fertig, er hat noch nie einen Korb bekommen“, Edward prustete los.
„Was? Woher weißt du das?“, fragte ich mit zusammengebissen Lippen, damit ich nichts Falsches sagte.
„Ich stand hinter euch, als ich euch im Korridor unterhalten habt“, natürlich, ganz zufällig.
„Ah“

„Also Bella, eigentlich wollte ich dir sagen, dass es mir Leid tut“, er lächelte mich entschuldigend an.
„Edward Cullen redet mit mir“, meinte ich monoton und hielt mich davon ab, ihm ins Gesicht zu gucken. Würde ich mich gerade mit einem entschuldigenden Blick angucken, ich würde ihm sofort verzeihen.
„Naja. Ich hatte nicht vor, das wieder zutun.“
„Was willst du?“
„Bella, wie gesagt, es tut mit Leid. Wir dürfen nicht befreundet sein, es ist besser so“.
Ich wurde wütend. Wütender, als es ich die ganze Nacht und den Abend davor gewesen war.
„Nur blöd, dass dir das nicht früher aufgefallen ist“, zischte ich durch meine Zähne, „Dann müsstest du jetzt nicht alles so schrecklich bereuen“.
„Bereuen? Bella, ich…“
„Edward, ich weiß es. Du hättest mich lieber tot als lebendig hier sitzen (A/N: Hahahaha, wie recht sie doch hat. Er würde lieber ihr Blut als alles andere haben. Uam. BTT)“,meinte ich wütend und drehte mich von ihm weg.
„Du hast gar keine Ahnung, gar nichts weißt du“, zischte er.

Er war definitiv wütend.

Wir schwiegen. Mittlerweile konnte ich ganz gut mit seiner Gegenwart umgehen. Ganz gut. Denn wenn er mich anguckte war ich zu nichts mehr fähig.

„Bella“, ich kannte den Klang seiner Stimme wie keine andere. Langsam drehte ich mich zu ihm, ich hatte nicht erwartet, dass er mich diese Stunde noch mal ansprechen würde.
„Es wäre besonnener von dir, nicht mit mir befreundet zu sein“. Ich drehte mich zu ihm und guckte ihn verwirrt an.
„Bist du Schizophren?“
„Ich bin es Leid, mich von dir fernzuhalten“.

Ruhig bleiben, Bella.

Ich kniff die Augen zusammen und biss mir in die Lippe. Stark bleiben, stark bleiben, stark bleiben…

„Bella Bitte. Hast du Lust mit mir am Samstag nach Seattle zu fahren?“, fragte er und berührte meinen Arm.
Dabei zuckte ich unwillkürlich zusammen und blickte in seine Augen. Wie könnte ich nein sagen.

Ich nickte, was ihn zum Lächeln brachte. „Dann hole ich dich morgen ab. Willst du ausschlafen?“.
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, Halb neun“
„Halb Neun“, er lächelte erneut, es klingelte und wir verließen den Bioraum.

Am Nachmittag fuhr ich zu Angela. Wir wollten etwas kochen, einen Film schauen und eventuell etwas durch Forks spazieren, schließlich war das Einzige, was ich davon kannte der Supermarkt und die High School. Angela hatte gesagt, dass Forks auch kleine, schöne Flecke hat, die man als Einwohner unbedingt kennen muss.

Was sie mit dem ‚kennen muss’ sagen wollte, war mir nicht ganz klar, aber ich gab es auf, danach zu fragen.


Wir hatten uns dazu entschieden, doch eine Pizza zu bestellen. Das sollte zwar einige Zeit dauern, weil sie aus Seattle kommen musste, da in Forks kein Pizzacourir existierte, dafür hatten wir nun Zeit einen Film rauszusuchen.

 


„Was willst du sehen. Lieber Van Helsing oder Interview mit einem Vampir?“, fragte mich Angela aus dem Wohnzimmer. Sie hatte sich auf Dem Boden ausgebreitet und saß in einem Haufen DVDs und Videos.


„Hast du auch was ohne Vampire?“, lachte ich und kam zu ihr.
„Naja. Meine Schwester hatte mal so eine Phase. Sie hat Vampire geliebt und jeden Film geradezu verschlungen“, sie lachte, „also, such dir einen aus“.

Wir entschieden uns für den zweiten und schon bald begann Brad Pitt uns seine Geschichte zu erzählen.

"I know what you are. You're impossibly fast and strong. Your skin is pale white and ice cold" (Ist aus dem Twilight Film, nicht aus Interview mit einem Vampir. Aber das passte so gut :D)


Ich zuckte zusammen.
“Bella?”, fragte Angela besorgt und legte einen Arm um mich. „Alles ok?“.
Ich nickte.

In meinem Hals schnürte sich alles zusammen. „Soll ich den Film ausmachen?“, ich nickte.

Es klingelte an der Tür.
„Das wird die Pizza sein. Ich mach kurz auf“, abwesend nickte ich.

Unglaublich schnell
„Dann müsste ich dich beschützen“, so schnell wie er gerade aufgestanden war und mir das ins Ohr geflüstert hatte, so schnell war er auch aus dem Raum verschwunden.
Er war unglaublich schnell.

Weiße Haut.
Ihre Haut schimmerte in meinen Augen schon fast weiß, was mir bei Edward gar nicht aufgefallen war. Doch trotz der kränklichen Blässe wirkten dadurch alle nur noch schöner und edler.
Sie waren unglaublich blass.

Eis kalt.
Dabei wusste ich nicht, was kälter war. Seine Hand oder der Boden.
Er war Eiskalt.

Ich kuschelte mich in die Decke auf dem Sofa ein, zog meine Beine an meinen Körper und bette meinen Kopf auf diesen.
Ich wippte wie ein kleines Kind hin und her, schloss beruhigend meine Augen und atmete tief ein.
„Bella?“, hörte ich Angela kreischen, die hysterisch die Pizza fallen gelassen hatte und auf mich zugestürmt kam.
„Ist alles ok“, meinte ich leise und entspannte mich wieder.
„Was ist los? Willst du da rüber reden?“
„Ich, ich weiß nicht.“, ich biss mir auf die Lippe.

„Angela, erzähl mir etwas über die Cullens, bitte“, ich lächelte sie freundlich an, wobei sie im ersten Moment irritiert war, über meinen plötzlichen Gefühlswechsel.
Sie stand auf, holte die Pizza, nahm die Decke und wir beide kuschelten uns auf das Sofa.

„Ich hoffe du magst Schauergeschichten“, Angela lächelte.

„Ich weiß nicht genau“, meinte ich leicht lächelnd und blickte Angela erwartungsvoll an.
„Also mein Vater meinte, dass die Cullens schon sehr alt sind“, sie legte ihren Kopf auf meinen Schoß und blickte mich von unten an, „Er meinte, sie sind kalt“.
Ich guckte verwirrt.
„Ach, ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, Bella. Du kennst doch sicher alte Sagen. Über Werwölfe, Hexen und Vampire“, ich nickte, musste aber unwillkürlich bei dem Wort Vampire zusammenzucken, „Forks ist ein sehr altes, an Generation reichen Familien Dorf. Man erzählte sich viel über kalte Wesen und ihre Feinde, den Hunden“.

Ich verstand immer noch nichts.
„In Forks lebten kalte Wesen, Bella. Und sie tun es wieder, so erzählt man es sich“.

„Du meinst, die Cullens sind die Nachfahren der kalten Wesen?“

„Nein“, Angela schüttelte den Kopf, „Es sind die gleichen. Kalte Wesen altern nicht“.


„Angela, was genau ist das denn?“
„Nenn sie wie du willst“
„Wie denn?“
„Blutsauger, Nachttiere…“
„Vampire?“
„Oder so“, Angela lächelte. „Nimm das nicht zu ernst Bella. Das Dorf hat sich da über Jahre etwas zusammengesponnen. Die Cullens sind liebe Menschen“.

Wenn sich Angela da mal nicht täuschte.

„Was zeichnet einen Vampir aus?“, fragte ich.
„Ich weiß nicht, was Mythos ist und was nicht. Laut Sage sind sie extrem schnell und können tagsüber nicht raus, wegen der Sonne. Alleine deswegen glaube ich nicht daran“.


Angela lachte. „Weißt du, weshalb meine Schwester ihre Vampirphase hatte? Als sie Edward das erste Mal gesehen hat, hat sie sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Da hat uns mein Vater auch das mit den alten Sagen erzählt. Sie war fest überzeugt, dass er einer von ihnen ist“.

Auch ich lächelte.

„Glaubst du denn daran?“, fragte Angela, „Glaubst du, dass die Cullens kalt sind?“

Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Schließlich war ich vorhin selbst auf den Gedanken gekommen.
Einen Gedanken, der so sonderbar erschien, dass ich ihn eigentlich nicht glauben konnte.
Vorsichtshalber schüttelte ich den Kopf. „Ich denke nicht“, flüsterte ich leise.

Das war doch krank. Es gab weder Vampire noch Werwölfe, Basta!

„Angela, könnte ich mal kurz telefonieren?“.

„Natürlich, ist in der Küche“, lächelte Angela.
Ich stand aus und ging aus dem Raum. Ich wusste nicht genau, was ich denken wollte oder sollte. Vampire waren in meinen Augen Märchenfiguren, nicht immer die Guten, Fabelwesen, die nicht existierten.

Deshalb schien es mir auch so unreal, Edward lebte. Genau wie seine Geschwister und Dr. Cullen, den ich ebenfalls schon gesehen hatte. Alle waren Menschen, sie atmeten.

Ich überlegte kurz. Hatte ich Edward denn schon einmal Atmen gesehen?
Ich schüttelte den Kopf, alle Gedanken sollten von mir abfallen, natürlich atmete er.

Ich wählte die Nummer, die auf dem Kühlschrank in der Kursliste stand. Mit zittrigen Fingern drückte ich auf die Nummern. Viel zu lang zog sich der Freiton, bis schließlich eine Stimme ertönte.

„Cullen?“, ich schluckte.
„Hallo hier ist Bella“

Es herrschte Stille. Ich schloss meine Augen und biss mir kurz auf die Lippe.
„Edward, ich kann Samstag nicht“, flüsterte ich entschuldigend. Ich hörte, wie er am anderen Ende des Telefons die Luft einzog.
„Hast du Angst?“, fragte er mit zitternder Stimme.
„Nein“, log ich, „Ich kann nicht“.

„Naja, daran kann man nichts ändern“, meinte er. Ich nickte, auch wenn er es nicht sah.

„Edward?“, ich wusste selbst nicht, weshalb ich das unangenehme Gespräch hinauszögerte.
„Ja?“, fragte er mit kratziger Stimme, ich schluckte erneut den Klos in meinem Hals runter.


„Schon gut“, meinte ich leise und legte auf.

Als ich mich umdrehte und zum Wohnzimmer zurück ging, saß Angelia immer noch auf dem Sofa.
„Die Zwillinge kommen gleich nachhause. Wollen wir ein bisschen raus?“, fragend blickte sie mich an. Ich nickte.

Draußen schneite es leicht. Ich zog meinen Mantel enger an mich und hielt meine Zunge raus. Die kalten Schneeflocken schmolzen auf meiner warmen Zunge sofort.
„In Phoenix fällt nicht so oft Schnee, oder?“, fragte Angela als sie mich beobachtete.
„Nie“, antwortete ich lächelnd, „Aber ehrlich gesagt würde ich Schnee auch nicht vermissen. Es ist kalt, nass und matschig“.
Sie lachte, „Aber romantisch“.

Ich zog meine Augenbrauen zusammen. „Was ist denn an Schnee romantisch?“
„Naja“, sie lächelte und fing mit den in Handschuhen verpackten Händen ein paar Flocken. „Wenn es draußen kalt ist, kann er dich wärmen. Ihr könnt zusammen in den Schnee Himmel gucken und außerdem sieht alles, wenn es mit Schnee überzogen ist, friedlich aus“.

„Es reizt mich nicht“, meinte ich nur Schulter zuckend. „Nichts ist so wie es scheint, da kann noch so viel Schnee liegen“.

„Du bist die totale Pessimistin Bella“, lachte Angela und rannte den Feldweg entlang.
„Warte“, schrie ich hier hinterher.

Durch den Schnee war der Weg glitschig und rutschig. Ich musste beim rennen richtig aufpassen, dass ich nicht hinfiel.
„Los du lahme Ente“, lachend machte Angela halt an einer Bank und wartete auf mich.

„Nich…soviel…keine Kondition…Sport…nicht“, völlig aus der Puste ging ich in die Hocke und schaute wütend zu Angela. „Ganz ruhig“, grinste sie und zog mich auf die Bank.


„Mike hat immer noch nicht zugesagt“.

 

Ich schluckte. „Zugesagt? Wozu?“
„Zum Winterball. Ich habe ihn gefragt.“

 

„Das ist unhöflich“, bemerkte ich. Ich sollte wohl mal mit ihm reden.
„Ja schon. Aber ich lasse ihm Zeit.“
Ich schüttelte nachdenklich den Kopf.



„Naja“, meinte sie und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen. „Mit wem gehst du?“.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich denke, ich besuche an dem Tag meine Großmutter, Bälle sind nicht so…meins“, ich lächelte schief.
„Schade“.

Danach schwiegen wir und guckten in den Schnee.
Angela hatte recht, es hatte etwas Gemütliches. In warmen Sachen auf einer Bank sitzen und die einzelnen Flocken zu betrachten.

„Ich denke es wird Zeit“, meinte ich und erhob mich, als es dämmerte. Angela nickte. „Du hast wohl recht, soll ich dich noch nachhause bringen?“.
Ich schüttelte den Kopf. „Das wäre ja ein Umweg. Wir sehen uns.“, wir umarmten uns und unsere Wege trennten sich.

Als sie außer Sichtweite war, steckte ich meine Hände in die Manteltasche und ging schneller. Mittlerweile war es stockduster.
„Bella“, schrie jemand hinter mir. Ich drehte mich ruckartig um.
„Bella, warte“, keuchend hielt Eric vor mir. „Ich wollte dich etwas fragen und habe dich gerade an meinem Haus vorbei gehen sehen“, ich guckte hinter ihn. Dort stand ein altes, kleines Haus mit Veranda und gepflegtem Vorgarten. „Also, es ist doch bald dieser Ball“, ich nickte, doch es grauste mir vor seiner Frage, „Würdest du mich begleiten? Mike meinte, du hättest bei ihm abgelehnt, weil du nicht im Dorf bist“.
„Genau Eric“, meinte ich freundlich aber bestimmend, „Ich bin nicht hier“.
„Aber, aber ich dachte du wolltest vielleicht…“
„Was?“, fragte ich gereizt.
„Na, mit mir hin…“

Ich schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid Eric, ich bin wirklich nicht da“.
Er nickte kaum merkend und verabschiedete sich.

Zuhause angekommen erzählte ich Charlie von Angela und meinem Abend im Schnee, was ihn kaum interessierte. Ich wünschte ihm eine gute Nacht und fiel todmüde in mein Bett
1.9.08 15:05


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