Kapitel Eins
Auf den ersten Blick (First Sight)

„Bella“, meinte meine Mutter, kurz bevor ich durch die Sicherheitsschleusen des Flughafens ging, „du musst nicht, wenn du nicht willst“.

Ich schüttelte leicht lächelnd den Kopf, in den letzten Wochen hatte ich diese Worte schon so oft zu ihr gesagt: „Ich will aber“.
Und mittlerweile war ich eine so gute Lügnerin, dass selbst meine Mutter meine Lüge glaubte und somit mein Lächeln erwiderte und heftig zu Winken begann.

„Machs gut Schätzchen, grüß deinen Vater von mir und melde dich“, rief sie mir noch hinterher, ich nickte und verschwand in der Wartehalle.

Durch die Fensterfront konnte ich meinen Flieger schon erkennen. Kein Großer, es war schließlich nur ein zweistündiger Flug.
Um mich rum saßen viele Leute, hauptsächlich Geschäftleute in Anzügen und Laptoptaschen in der Hand.

Ich schüttelte resignierend den Kopf. „Mach dir keine Sorgen um mich Mum, ich schaffe das“, flüsterte ich und strich über den Anhänger meiner Kette.
Ein altes Medaillon in Herzform aus rostigem Silber. Ob sich ein Foto in dessen inneren verbarg wusste ich nicht, es war verklemmt und ich hatte nie geschafft es zu öffnen.
Doch höchstwahrscheinlich war es ein Foto von irgendwelchen Urahnen meiner Familie, wie alt genau es war, wusste ich ebenfalls nicht.

„Letzter Aufruf für den Flug nach Seattle, die Passagiere mögen sich bitte an Board begeben“.

Mein Aufruf in ein neues Leben.
Ich biss mir auf die Lippe, ließ das Medaillon los, nahm mein Handgepäck – einen Parka – und begab mich an Board.

Im Flugzeug war es kühl, ganz im Gegensatz zu draußen. In Phoenix war es warme aber angenehme Vierundzwanzig Grad.
In meinem neuen Zuhause, Forks, herrschten Minusgrade und obwohl es erst Anfang Herbst war, war es dort so kalt wie bei uns nicht mal im Winter.

Der Flug verlief reibungslos, genauso wie der zweite nach Port Angeles. Als wir landeten schien die Sonne.
Ich war überrascht und auch glücklich. Hätte es geregnet, hätte ich mich höchstwahrscheinlich nicht beherrschen können und hätte Charlie wohl grimmig schlecht gelaunt begrüßt, was ziemlich ungerecht wäre, da er sich doch so auf mich freute.

„Schön dich zu sehen Bells“, meinte er ehrlich und schloss er mich in seine Arme. Etwas unbeholfen drückte er mich, was ich erwiderte.

„Es ist auch schön dich zu sehen Dad“, lächelte ich. Er mochte es nicht, wenn ich ihn Charlie nannte, auch wenn ich ihn so selten sah wollte er, dass ich ihn als Vater anerkannte.

„Wie geht es Renée? Hast du dich schon gemeldet? Wie war der Flug?“, fröhlich nahm er mir meinen Parka ab und griff nach meinem Koffer“.

„Charlie“ – das tat ich immer, wenn ich ihn ärgern wollte, „Ich bin vor ein paar Minuten gelandet. Lass mich doch erstmal ankommen“. Ich lachte, strich mir eine Haarsträhne zurück und ging zum Auto.

„Du hast recht“, meinte er resignierend und folgte mir.

Er war wie erwartet mit dem Dienstwagen gekommen. Charlie war bei den wenigen Bürgern Forks unter Chief Swan bekannt, dem Mann für alle Fälle, ein Polizist.
Unbeholfen hievte er meinen Koffer in das Auto, legte meinen Parka auf die Rückbank und stieg ein, ich tat es ihm gleich.

„Ich habe ein Auto für dich bekommen“, verkündete er mir fröhlich.
„Echt?“, ich freute mich, nur lag es bei uns in der Familie, so was weniger zeigen zu können.
„Ja, auch ganz billig. Ein alter Chevrolet, ein Transporter, wenn du mal mit deinen Freunden Shoppen gehst, hast du genug Ladefläche“, er lachte, „Sieh es als Willkommensgeschenk.“

Ich lächelte, „Danke Dad“.

Nun musste ich mir also keine Sorgen machen, wie ich morgen zur Schule kommen würde. Ein Auto hatte ich, denn mit dem Dienstwagen meines Vaters wollte ich bloß kein Aufsehen erregen.

Sicherlich würde morgen sowieso die ganze Aufmerksamkeit auf mir liegen. Die Tochter des geschiedenen Polizisten, sicherlich eine Attraktion.

Und genau wie Charlie wussten sie alle nicht, wieso ich meine Mutter verließ um in Forks zu leben. Ganz bestimmt hatten sie schon eine Menge spekuliert, ich wollte gar nicht wissen, welche irren Gedanken sie sich ausgemalt hatten. Aber zum Glück würde ich diese auch nicht erfahren.

„Ich hoffe du lebst dich schnell ein, Bells“, sagte Charlie.
„Das denke ich doch. Ich habe keine Schwierigkeiten Freunde zu finden“, nur auf andere zuzugehen, dachte ich im Stillen.
Ich war zwar nett zu anderen, wurde auch relativ schnell ins Herz anderer geschlossen und machte mir nie Feinde, aber ich war schüchtern und sehr unsicher. Jeder Blick war wie ein Messerstich in mein Herz und jedes Flüstern, so dachte ich, galt sofort mir, weil ich etwas Falsch machte.

Um uns rum wurde es immer grüner.
Die Straßen weniger und hügeliger. Die Wälder wurden immer dichter und die Felder immer weiter.
Forks.

Es hatte sich nichts verändert seit meinem letzten Besuch vor zehn Jahren. Leider.
Alles war immer noch so grün.

Dann waren wie endlich bei Charlie, genauer –jetzt waren wie endlich bei meinem neuen Zuhause.

Er hatte das Haus, indem er und meine Mutter vor gut Achtzehnjahren gewohnt hatten, weder verkauft noch renoviert. Alles sah so aus wie früher.
Wahrscheinlich hatte er es nicht über sein kaputtes Herz gebracht, irgendwas zu verändern, was seine geliebte Renée gemacht hatte, er hatte sie nie überwunden.

Vor dem Haus stand mein neues Auto. Ich staunte nicht schlecht. Es sah gar nicht so alt aus, der Lack war etwas abgesplittert und die Scheiben schmutzig aber sonst sah es ganz ordentlich aus.
Morgenfrüh würde sich herausstellen, ob Chevy und ich eine Zukunft hatten.

Die Einrichtung des Hauses war immer noch dieselbe. Lediglich eine Veränderung hatte Charlie im ganzen Haus gemacht. Er hatte meine Babywiege gegen ein Bett ausgetauscht und einen Schreibtisch gekauft, der stand gegenüber von dem Kleiderschrank.

Ich legte meinen Parka auf den Schreibtisch, stellte meinen Koffer neben den Kleiderschrank und sortierte die wenigen Klamotten ein.

Ich musste unbedingt am Wochenende nach Seattle fahren und einkaufen gehen. In Phoenix hatten meine Mutter und ich einfach keine geeigneten Klamotten finden können, die dem Wetter in Forks hätten standhalten können.

So besaß ich nun meinen Parka, ein paar lange Jeans, sowie ein Rock, mehrere Blusen, Sweatshirts und auch zwei T-Shirts, für die ‚wärmeren’ Tage.

Als ich fertig mit einräumen war, ging ich ins Bad – ich hatte mein eigenes – duschte, putzte Zähne und föhnte meine Haare.
Beim Blick in den Spiegel schluckte ich. Ich war blass. Sah aus wie tot.

Sicherlich war ich nicht das, was die Jugendlichen an der Forks High erwarten würden. Braungebrannt, Blonde, lange Haare, blaue Augen, eben ein sportliches Mädchen aus dem sonnigen Phoenix.
Und dann würde ich kommen. Käsig Blass, mittellanges, dunkles Haar, das leicht gewellt über meine Schultern fiel. Im Gegensatz zu dem sportlichen astral Körper - meine zerbrechliche Erscheinung.

Sie würden verschreckt sein, ich passte hier nirgendwo rein. Ich kam einfach nicht gut mit Leuten meines Alters – mit Leuten generell – nicht klar.

Mit dieser Einsicht ging ich in mein Zimmer, ließ die vergilbten Gardinen offen und legte mich in mein Bett, in der Hoffnung, niemals aufstehen um morgen in die Schule gehen zu müssen.

_____________________


Ich schlief nicht sonderlich gut. Ich schlief grottig.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, standen meine Haare in alle Richtungen und meine Augenringe kamen mir stärker als je zuvor vor.

Verschlafen ging ich ins Bad, putzte Zähne, kämmte meine Haare, zog mir etwas an und ging runter.
Charlie war schon weg, das hatte er auf den Zettel geschrieben, der an dem Kühlschrank pinnte.

Ich aß eine Schale Müsli bevor ich mir meine Tasche nahm und nach draußen ging.
Es regnete. Nicht wie gestern Sonne, sondern eine graue Wolkendecke, die nicht danach aussah, als würde sie heute aufreißen.

Missgelaunt ging ich zu meinem Auto, schloss es auf und setzte mich in die Fahrerkabine. Meine Tasche legte ich auf die Beifahrerseite und steckte den Schlüssel in das Schloss.

Als ich diesen umdrehte, begann der Motor zu arbeiten und es roch nach Benzin. Von den Sitzen ging ein leichter Minze- und Tabakgeruch aus.
Ich drehte das alte Radio auf, suchte mir einen Sender mit gutem Empfang und begab mich bei ‚The Scientist’ von Coldplay zu meiner neuen Schule.

Ich hatte mich vorher informiert. Die Forks High School hatte eine gesamt Schüleranzahl von Dreihundertsiebenundfünfzig Schülern. In Phoenix hatte allein mein Jahrgang mehr als die doppelte Anzahl.

Ich kannte den Weg nicht zu der High School, wusste auch nur von Fotos wie sie aussah. Aber ich fand relativ schnell das kleine Gebäude und das davor gehörige Schild mit der Aufschrift:
Forks High School.


Ohne große Angst und relativ locker betrat ich das erste Gebäude, neben welchem das Schild ‚Verwaltung’ Stand.
Das Sekretariat war nicht sonderlich groß. Genauer, es war kleiner als jede Abstellkammer.
Ein Stuhl sollte wohl einen Wartebereich darstellen, es gab kein Fenster und nur der Tresen mit den Broschüren der Schule und Vertretungsplänen zeigte, dass dies die Verwaltung sein sollte.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte eine kleine rothaarige Frau mit Brille. Ich war mir sicher, sie hatte sich ausgiebig auf meinen Besuch vorbereitet und hatte mich erkannt, sie hatte sicherlich schon die ganze Zeit wie auf Kohlen gewartet und war froh, auch mal ein bisschen Arbeit abzubekommen.

„Ja Miss, ich bin Isabella Swan“, stellte ich mir vor. Das Blitzen in ihren Augen teilte mir mit, dass es genauso war, wie ich es eben gedacht hatte.

„Ach Ja, genau“, meinte sie, währenddessen sie auf ihrem Schreibtisch rumkramte. „Hier ist dein Stundenplan“, sie reichte mir einen kleinen, zerknickten Zettel, „hier eine Übersichtskarte des Schulgeländes und – Moment, das muss hier irgendwo sein…“ sie legte die Stirn in Falten, „Ach hier. Voilà. Ein Zettel. Lass da bitte deine Lehrer am Ende der Stunde unterschreiben, den kannst du dann im Lehrerzimmer nach Schulschluss abgeben“. Sie lächelte. „Viel Spaß“.

Dies erwiderte ich, bedankte mich und ging wieder zu meinem Transporter auf den Parkplatz. Es dauerte noch eine Weile, dann würden auch die anderen kommen. Nur wenige Autos standen schon vereinzelt irgendwo.

Alles Autos, die man niemals auf einem Parkplatz einer High School in Phoenix hätte finden können. Alle Autos waren alte Modelle, nur eins, das fiel mir sofort auf.
Ein Volvo hob sich von den anderen ab.

Nachdem ich meinen Rundblick beendet, auf den Stundenplan erkannt, dass ich in der ersten Deutsch hatte und meine Kapuze übergestülpt hatte, ging ich im normalen Tempo in Haus Drei. Beim ersten Blick war mir gar nicht aufgefallen, wie groß das Schulgelände war.

Ich zog meine Jacke enger und ging den Gang entlang, bis ich vor einer offenen Tür Halt machte.
„Ruhig Bella“, flüsterte ich, atmete tief ein und betrat meine neue Klasse.

Mr Mason begrüßte mich weniger freundlich, eher glotze er mich an.
Ich merkte, wie ich rot wurde und senkte meinen Blick. Mein Deutschlehrer teilte mir einen Platz in der letzten Reihe zu.

Als es klingelte wollte ich nur eins – raus.

„Du bist doch Isabella Swan, nicht wahr? Die Neue?“, fragte ein Junge mit fettigen Haaren und lächelte mich schmierig an.
„Bella“, meinte ich etwas genervt und legte mir meine Tasche um.
„Bella, was hast du denn in der nächsten? Ich könnte dich zu der nächsten Stunde begleiten“.
In diesem Moment ließ ich ein Stoßgebet gen Himmel los, dass wir die nächste Stunde nicht zusammen hatten.

„Politik, bei, äh, Jefferson in Haus Sechs“, meinte ich, hörte man da etwas ein klein wenig Angst, dass er mir jetzt bestätigte, ebenfalls diesem Fach anzutreten?

„Oh Schade, ich habe jetzt Erdkunde. Aber Ich bin in Haus Vier, ich kann dich noch ein Stück begleiten“, meinte er sichtlich enttäuscht und ging los.

Verkrampft begann ich gezwungen zu lächeln. „Dankesehr“.

„Forks ist anders als Phoenix, oder?“, begann er.
„Ja, sehr“.
„Scheint oft die Sonne, da ist es warm. Ganz im Gegenteil zu hier“
„Ja“
„Du bist aber nicht braun. Also, nicht so, wie ich es von einem Sonnenmädchen erwartet hätte“, entschuldigen guckte er mich an.
„Meine Oma ist Albino“.

Geschockt blieb er stehen und guckte mich an, ich schüttelte den Kopf und seufzte. Anscheinend teilten wir nicht den gleichen Sinn Humor.

„Also, hier ist Haus Sechs, ich wünsche dir viel Glück“.
„Danke“, ich lächelte ihn aufmunternd an, da er immer noch sichtlich geschockt war und betrat meinen Klassenraum.
Ein paar Gesichter kamen mir bekannt vor aus der ersten Stunde und ich setzte mich neben ein Mädchen. Als sie ihren Namen gesagt hatte, hatte ich ihn wenige Minuten später schon wieder vergessen.

So ging die zweite Stunde rum, mit Neugierigen Blicken, und ich ging zu Spanisch, mit dem Mädchen was neben mir gesessen hatte.

Da wir auch die Dritte Stunde zusammen hatten und ich nun nicht mehr ganz allein war, ging ich mit ihr zusammen auch in die Cafeteria.

Ich saß an einem Tisch mit vielen Fremden Gesichtern, denen ich keine Namen zuordnen konnte, obwohl sie sich vorgestellt hatten.
Alle fragten mich unsinniges Zeug, ob es in Phoenix oft regnete, wieso ich hier freiwillig auf das Land ziehen würde, und ob alle so blass wären, wie ich.

Ich war gelangweilt, ließ mir dies jedoch nicht anmerken und beantwortete schön brav alle Fragen mit einem Lächeln.

Und als ich dort saß und versuchte mich mit sieben neugierigen Fremden zu unterhalten, sah ich sie zum ersten mal. Sie saßen an einem Tisch in einer entfernten Ecke der Cafeteria, so weit weg von unserem Tisch wie es in dem langen Raum möglich war. Sie waren zu fünft. Sie redeten nicht und sie aßen nicht, obwohl vor allen ein Tablett mit unberührtem Essen stand. Im Gegensatz zu den meisten anderen glotzen sie mich nicht an, sodass ich sie meinerseits betrachten konnte ohne fürchten zu müssen, exzessiv interessierten Blicken zu begegnen. Doch all das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit erregte – und fesselte.

„Wer ist das?“, fragte ich leise und stupste das Mädchen neben mir an, dessen Name ich vergessen hatte.

„Ach“, sie verdrehte die Augen. Und in dem Moment drehte sich einer von ihnen zu ihr um, als hätte sie ihn laut gerufen. Er legte seine Stirn in Falten, als er mich sah und drehte sich wieder weg.
„Das sind die Cullens“. Sie rutsche näher an mich ran, um mir mehr erzählen zu können.
„Das sind Edward und Emmet Cullen“, sie zeigte auf den Jungen der uns eben angeschaut hatte und auf den daneben, „Das sind Rosalie und Jasper Hale“, flüsterte sie leise. In den Moment stand die Fünfte auf.
„Das ist Alice Cullen; alle Fünf leben in der Villa von Dr. Cullen und seiner Frau. Beide sind noch sehr jung und haben die Fünf adoptiert.“ Sie sprach, als wäre es etwas Schlimmes.

„Das ist aber sehr nett“, meinte ich nur achtungsvoll. Sehr Jung und dann eine halbe Großfamilie, ich fand, das hatte Achtung verdient.

„Ja, schon.“.

„Sie sind“, ich ließ schüchtern meinen Blick sinken.
„Sehr hübsch?“, beendete Jessica – ihr Name war mir wieder eingefallen – und ich nickte.
„Ja, da hast du Recht. Überirdisch Hübsch. Aber denk gar nicht erst daran“, sie kicherte, als sie meinen fragenden Blick sah.
„Sie sind alle zusammen, sie wohnen zusammen, damit meine ich, Emmet und Rosalie und Jasper und Alice“.

„Und Edward?“, fragte ich.
„Er ist allein, aber mach dir keine Hoffnungen. Ja klar, er ist ein Gott, was sein Aussehen betrifft, aber“, sie machte eine kleine Pause und mir schien es fast so, als ob sie sich selbst schon an ihm die Zähne ausgebissen hatte, „er ist nicht an Mädchen aus Forks interessiert, sind ihm wohl alle nicht hübsch genug“, sie rümpfte die Nase.

Es klingelte, wir brachten unsere Tablettes weg und ich machte mich auf zu Biologie in Haus Zwei.

Als ich ankam, hatte die Stunde schon begonnen. Ich klopfte zaghaft an die Tür, trat ein und gab dem Lehrer meinen Zettel.

Mr Banner – mein Biologie Lehrer, unterschrieb den Zettel, reichte ihn mir und deutete auf einen Platz in der Vorletzten Reihe, direkt neben –mein Herz machte einen Sprung- Edward Cullen.

Mein Herzklopfen wurde schneller, als ich merkte, dass ich, je näher ich ihm kam, er mehr zusammenkrampfte.
Es sah fast so als, als würde ihm etwas wehtun. Seine Hände hatte er auf dem Tisch zu Fäusten geballt.

Unsicher setzte ich mich neben ihn. Genau in dem Moment rutschte er auf die äußerste Kante seines Stuhls und blickte auf seine Fäuste. Das Blut war schon aus ihnen gewichen, sie waren gelblich weiß, so feste drückte er sie zusammen.

Er rümpfte die Nase und atmete unregelmäßig, ich wandte mich von ihm ab und roch unauffällig an meine Haaren, roch ich etwa?

Doch ich merkte nichts, meine Haare rochen wie immer, nach meinem Shampoo.

Ich versuchte mich dem Unterricht zu widmen um den verkrampften Edward neben mir zu vergessen.

Noch einmal wagte ich einen Blick zu ihm. Sein Oberarm war angespannt und mit Muskeln überzogen. Es sah aus, als würde er täglich hart trainieren.
Sein Blick war ernsthaft und hasserfüllt.

Genau in dem Moment, als ich ihn musterte, blickte er mich an.
Seine Augen waren Schlitze.
Ich hatte Angst.

Er blickte mich so starr und angsteinflößend an, dass es aussah, als würde er nicht mehr atmen.

Ich schaute zur Tafel und versuchte zu erkennen, was Mr Banner aufgeschrieben hatte. Es klappte nicht, Edward lenkte mich zu sehr ab.

Ich riskierte es ein weiteres Mal und blickte zu ihm, bereute es jedoch keine Sekunde später.
Sein Blick lag immer noch auf mir, hasserfüllter denn je.
Was hatte ich ihm denn getan? Er kannte mich doch gar nicht.

Aber sein Blick war offensichtlich. Hass, nichts Weiteres als blanker Hass.

Ich schreckte zurück und drehte mich weg von ihm, wartete ängstlich auf das erlösende Klingeln und hing meinen Gedanken nach.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich schon längst unter der Erde.

Ich war überglücklich, als es am Ende der Stunde klingelte.
Edward Cullen verließ schnell, viel zu schnell für meine Augen, den Raum, sodass ich fast das Gefühl hatte, dass er nur eine Illusion in meinen Träumen war und gerade neben mir mit einer Traumwolke verpufft war.

Aber seine Schwester Alice war noch im Raum und packte langsamer als Edward zusammen, was mir bestätigte, dass er real war.

In den letzten beiden Stunden hatte ich Sport. Doch als ich endlich die Halle gefunden hatte, wurde mir mitgeteilt, dass mein Sportlehrer Coach Clapp einen Beinbruch erlitten hatte und nun die letzten beiden Ausfielen.

„Sag mal, was war denn mit Cullen los? Ich meine, er ist immer ein bisschen anders. Aber, was hast du mit ihm gemacht? Ihm Etwa dein Bleistift in den Arm gerammt?“, fragte mich Jessica, die mich noch mit zum Lehrerzimmer begleiten wollte.

„Der Junge neben mir in Biologie?“, arglos blickte ich sie an, „Ist er nicht immer so?“.

„Nein, also schon ja. Verschlossen. Aber nicht so“, sie blickte mich an, „Hasserfüllt“.

Es war ihr also aufgefallen, dass er sich anders verhielt als sonst.
Aber konnte es wirklich sein, dass Edward Cullen mich hasste? Obwohl er mich doch gar nicht kannte?

„Er ist ein komischer Typ“, mischte sich Mike ein, ein Junge, den ich noch aus der Cafeteria kannte.
„Wenn ich das Glück hätte, auch nur zwei Plätze von dir entfernt zu sitzen, ich würde“, er lächelte mich an, „ich würde nur mit dir sprechen“.

Ich erwiderte ein Dankbares Lächeln und ging mit Jessica zum Lehrerzimmer.
„Also, mach’s gut Bella. Wir sehen uns morgen“, meinte sie fröhlich, umarmte mich stürmisch und ging.

Ich war etwas unvorbereitet auf eine weitere Begegnung und war ziemlich geschockt als ich Edward keinen Zentimeter vor mir erkannte. In Gedanken versunken hatte ich ihn fast umgerannt.

„Tschuldige“, flüsterte ich leise. Viel zu Langsam für einen Edward Cullen drehte er sich zu mir um, meinte zu der Dame, mit der er eben gesprochen hatte, dass er es verstehen würde und er dann halt weiterhin an Biologie teilnehmen würde, blickte mich noch mal hasserfüllt an und verließ überstürzt den Raum.

Überfordert stand ich nun alleine vor dem Lehrerzimmer.

„Isabella“, lächelte die Sekretärin freundlich, „wie war dein erster Tag?“.


„Super“, log ich lächelnd, reichte ihr den Zettel und ging zu meinem Transporter.

Ich schluckte und unterdrückte die Tränen. So fertig machte mich es, dass ich grundlos von Edward Cullen gehasst wurde.
Grundlos.


1.9.08 14:59
 

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