Kapitel Zwei

Wie ein offenes Buch (Open Book)


Am nächsten Morgen wachte ich von alleine, ganz ohne Wecker, auf. Mir fiel ein, dass ich mich bei Renée melden wollte, also schrieb ich schnell eine Sms, ich würde am Wochenende in das nächste Internetcafe in Port Angeles gehen um ihr eine längere Mail zu schreiben.
Danach ging ich in das Bad, putzte meine Zähne und zog mich an.
Diesmal war ich weniger aufgeregt vielmehr entspannter als am Vortag, da ich wusste, was mich erwartete. Charlie war, wie gestern auch, schon weg und ich ließ das Frühstück heute ausfallen, um auf dem Weg zur Schule noch einige Hefte im Schreibwarenladen zukaufen.

Ich setzte mich in meinen Transporter, startete den Motor und suchte mir den Weg zu dem kleinen Kiosk in Forks.
Nach wenigen Minuten hatte ich diesen auch gefunden, schließlich hatte mir ihn Charlie beim Abendessen gründlich beschrieben.

Draußen vor dem Laden standen zwei Autos, ein Volvo und ein Chevy. Der Laden würde auch nicht richtig Umsatzmachen, dachte ich, hier in Forks leben doch nur wenige.
Drinnen wurde es warm, sodass ich in meinem Parka zu schwitzen begann.
Ich ging durch die Regale auf der Suche nach Heften.

„Wenn ich es ihnen doch sage, wir haben diese CD nicht“
Zufällig bekam ich das Gespräch von der Verkäuferin und einem Kunden mit. Kurz blickte ich auf, da ich fragen wollte, wo das Regal mit den Heften ist, als es mich wie ein Blitz traf.
„Hören Sie Miss“, ihr Gegenüber blickte ihr tief in die Augen, sodass sie nur so unter seinen Händen zu schmelzen begann, „Ich brauche diese Cd dringend. Sicher, dass sie nicht noch eine haben?“
„Ich…“, benommen nickte die Dame, „Ich werde mal im Lager gucken“.

Ich schluckte und versteckte mich hinter einem der Regale.

Was machte Edward hier?
Ängstlich beobachtete ich ihn, wie er nun ungeduldig auf die Verkäuferin wartete und sich im Laden umguckte.



„Hier. Wir hatten doch noch eine im Lager“, lächelte die Verkäuferin und reichte Edward die rote CD.
„Danke Miss“, lächelte er freundlich und ging zur Kasse.

Völlig benommen ging ich aus dem Laden und vergaß ganz die Hefte, die ich kaufen wollte.
In Gedanken fuhr ich zum Parkplatz, stieg aus und ging zur Schule, wo mich Jessica und ein Mädchen erwarteten.

„Das ist Angela, eine gute Freundin.“, machte Jessica uns bekannt. Schüchtern lächelte ich zur Begrüßung, was sie sofort erwiderte.

Somit trennten sich unsere Wege, ich ging zu Deutsch und die beiden zu Kunst. In der zweiten Stunde fanden wir wieder zusammen genauso wie in der Dritten, die wir ebenfalls teilten.

Nach der Dritten begann mein Herz schneller zu schlagen, immer kürzer kam mir der Weg zu der Cafeteria vor. Würde Edward mich wieder so angucken?

So hasserfüllt und abwertend?
Was erwartete ich überhaupt?



Ich schluckte und ging nach Angela und Jessica in die Cafeteria.
Ich blickte mich suchend um.

„Suchst du wen?“, fragte Jessica, dabei hatte sie es längst auch schon bemerkt.

Die Cullens saßen wie auch gestern an ihrem Tisch, vor ihnen das unberührte Essen. Nur eine Sache war anders, eine ganz bedeutende, eine die ich Suchte.
Edward.

 

Im Gegensatz zu gestern waren die Cullens zu viert.

Um Jessicas Frage zu beantworten schüttelte ich den Kopf und folgte den anderen zu einem Tisch.



Vielleicht würde Edward heute einfach nur später kommen, schließlich war er nicht krank. Ich hatte ihn heute morgen ja schon gesehen.
Er kam nicht und ich wurde immer angespannter.
Als es klingelte ging ich zu Biologie, mit pochenden Herzen öffnete ich die Tür.
Auch hier war er nicht.
Er war nicht in der Schule.

Und das war das erste mal, dass ich mich fragte, was mit mir geschah.
Einerseits war ich erleichtert, dass ich heute normal am Unterricht teilnehmen konnte, auf der anderen Seite traurig, da Edward nicht da war.
Und ich wusste nicht mal warum.

„Bella“, wie aus dem Nichts stand Mike vor mir, „Nächste Woche Sonntag wollen wir einen Ausflug machen, hättest du Lust eventuell mitzukommen?“.
„Klar“, meinte ich und freute mich, dass Mike auf mich zukam.

Ich breitete meine Sachen auf dem Tisch aus, schließlich hatte ich jetzt auch seine Hälfte. War doch viel besser so.
Das redete ich mir bis zum Ende der Stunde ein, dass es besser war, dass er nicht da war.
Irgendetwas brachte mich dazu, dass zu denken.
Es ist besser so.

Und doch wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich der Grund für sein Verschwinden war.
Ich wusste den Grund zwar nicht und es war auch ganz schön egozentrisch, aber ich musste immer wieder an seinen Hasserfüllten Blick denken. So kam es mir aus einem unerklärlichen Blick vor, dass er wegen mir schwänzte, um mir aus dem Weg zu gehen.

Wie gestern fiel Sport wieder aus, sodass ich überlegte etwas Einzukaufen um Charlie und mir heute Abend was schönes zu Kochen.
Mir war aufgefallen, dass er nicht gerade als Jamie Oliver geboren war und es mehr Tütensuppen und Tiefkühlpizza gab als Frisches.

Als ich in meinem Transporter darauf wartete, dass der Parkplatz leerer wurde, fielen mir die Cullens auf. Bisher hatte ich mir zu sehr auf Edward konzentriert, als dass ich einen der anderen Vier hätte beobachten können.
Doch jetzt sah ich sie das erste, richtige Mal aus der Nähe.

Rosalie, eine zeitlose Schönheit, fast als ob sie gerade von dem Cover einer angesagten Modezeitung entsprungen wäre.
Emmet und Jasper, neben denen jeder andere Junge wie eine graue Maus rüberkam und Alice, die im Gegensatz zu Rosalie eher zierlich schön stark auffallend war. Sie hatte kurze, schwarze Haare, leuchtende, Karamellfarbene Augen – wie Edward – und knallrote Lippen.
So unterschiedlich sie alle Vier waren, umso ähnlicher wirkten sie alle durch ihren blassen Teint.
Ihre Haut schimmerte in meinen Augen schon fast weiß, was mir bei Edward gar nicht aufgefallen war. Doch trotz der kränklichen Blässe wirkten dadurch alle nur noch schöner und edler.

Ich schüttelte den Kopf um von ihnen loszukommen.
Wie sah ich denn neben solchen Leuten aus, wie eine hässliche, kleine Gans.

Traurig startete ich den Motor und suchte den Supermarkt.

Diesen hatte ich schnell gefunden. Nachdem ich den Transporter zugeschlossen hatte betrat ich den Laden und überlegte mir, was ich heute Abend kochen würde.
Ich entschloss mich schließlich für einen Nudelauflauf, der ging schnell sodass ich noch Hausaufgaben machen konnte.

Als ich alles eingekauft hatte, fuhr ich nachhause, suchte eine Auflaufschale, füllte diese mit Nudeln, Soße und Käse und schob das ganze in den Backofen.

Als ich fertig war schnappte ich mir meine Sachen und ging nach oben um zu Duschen.
Ich zog mir schlabberige Sachen an, Band meine Haare zusammen, aus denen immer noch das Wasser tropfte und holte meine Bücher aus der Tasche.

Gegen Sieben kam Charlie nachhause.
„Was reicht hier denn so lecker, Bells?“, rief er, und ich stolperte grinsend die Treppe runter.
„Danke, ich habe einen Nudelauflauf gekocht“, meinte ich stolz und umarmte Charlie zur Begrüßung.
Lächelnd legte er seine Sachen ab und kam in die Küche. Er nahm auf einem der Stühle Platz und schaute mir dabei zu, wie ich den Auflauf aus dem Ofen holte und auf den Tisch stellte.
„Sieht echt fantastisch aus, an dir ist noch ein Kochprofi verloren gegangen“, lächelte er und tat mir und ihm auf.
Ich lachte.
„Das kannst du erst sagen, wenn du ihn probiert hast“.
Er nickte.

„Wie kommst du mit der Schule zurecht?“, fragte er, nach einigen angenehmen Minuten des Schweigens.
„Sehr gut, ich habe sogar schon ein paar Freunde gefunden“, erzählte ich ihm stolz.
„Das ist schön, wer denn?“.
Ich wollte gerade erwidern, dass er sie doch sowieso nicht kennen würde, bis mir einfiel das in Forks zur High School ging.
Das Dorf, wo jeder jeden kannte.
„Jessica und Mike“.
„Ach so“, er legte seine Stirn in Falten, „Mike Newton, gefällt er dir?“, grinste Charlie.
Genervt verdrehte ich die Augen.
„Nein Dad. Alle Typen sind hier etwas speziell“, eigentlich keiner außer Edward.

„Dad?“, ich schob die Nudeln auf meinem Teller hin und her. „Kennst du die Cullens?“, zögernd blickte ich ihn an.
Charlie begann übermütig zu nicken.
„Natürlich. Dr. Cullen ist einer der besten Ärzte die Forks je hatte“.
„Also… es kommt mir ein bisschen so vor als ob…als ob die Einwohner nicht so richtig mit ihnen zufrieden wären…“
„Ach Bells, glaube nicht immer allen. Forks kann froh sein, einen so guten Arzt wie Dr. Cullen zu haben. Ich schätze ihn sehr“
„Ich hatte auch das Gefühl, dass sie nett sind Dad. Aber…“
„Nichts aber Bells, und jetzt iss auf“, damit war unsere Konversation beendet und wir schwiegen.

Edward Cullen kam die ganze nächste Woche nicht wieder zur Schule.

Ich war erleichtert, jedes Mal aufs Neue, wenn ich die Biologiestunde antrat und er nicht da war. Wären seine Geschwister nicht da gewesen, hätte ich gedacht, dass sie plötzlich weggezogen wären. Aber so war er wahrscheinlich einfach nur krank.

Mein Wochenende verlief reibungslos. Als ich am Samstag nach Port Angeles fahren wollte, meinte Charlie nur, dass ich dies lieber auf nächste Woche verschieben solle, dann könnte er mich fahren. Mit meinem Transporter würde das ja ewig dauern.
Ich fand mich damit ab und verbrachte somit mein Wochenende mit lernen und schrieb meiner Mutter eine E-Mail von Jessicas Pc, es gab hier Menschen mit Internet.

Renée hatte sich schon ein paar mal gemeldet und sich Sorgen gemacht, ich hatte sie beruhigt und gesagt, ich würde sie nächste Woche mal anrufen.


Als ich am Montagmorgen auf dem Parkplatz hielt, begann es zu schneien. Der Himmel war grau und meine Laune ebenfalls. Genervt versuchte ich mir den Schnee vom Gesicht fernzuhalten und rannte in die Schule, wobei ich natürlich ein paar Mal hinfiel.

Als wir nach der dritten Stunde nach draußen traten schneite es immer noch. Meine Haare waren nass und hingen strähnig über meine Schultern.
„Das sieht echt süß aus“, meinte Mike und strich mir durch die Haare. Davon war ich alles andere als begeistert und wich ein Stück von ihm, er stockte in seiner Bewegung.

Ich trat hinter Jessica, Mike und Angela in die Cafeteria.

Hätte ich in diesem Moment gelacht, wäre mir dieses wahrscheinlich sofort von den Lippen verschwunden.
Ich ließ, eher aus Gewohnheit, meinen Blick in die Ecke kreisen.
Fünf Personen.

Ich schluckte, mir war auf einmal so schlecht.
„Geht es dir nicht gut Bella?“, fragte Angela, die meinen wankenden Schritt bemerkt hatte und mich am Arm genommen hatte.
„Doch…“, ich schloss kurz meine Augen.
„Ich möchte heute nichts essen. Ich muss mich kurz hinsetzten“

Und schon wieder hatte er es geschafft.
Ohne auch nur irgendetwas zutun, hatte Edward Cullen mich aus der Fassung gebracht.
Das war doch lächerlich.

Ich legte meinen Kopf kurz auf meine Arme, die ich auf den Tisch gelegt hatte und versuchte die beruhigende Dunkelheit auf mich einwirken zu lassen und die Stimmen um mich rum auszublenden.

„Edward Cullen guckt dich an“, zischte mir Jessica von der Seite zu.
Schnell schreckte ich auf und guckte sie an.
„Nicht hingucken, das ist zu auffällig“, sie grinste. „Er guckt nicht“, ich wurde wieder ruhiger, „er starrt dich an“, sie lachte.


„Guckt er böse?“, fragte ich zaghaft, worauf sie ihren Kopf schief legte.


„Nein, eher verträumt“, sie lächelte, „wieso sollte er böse gucken?“.
„Ich denke er mag mich nicht.“
„Du denkst?“
„Ja.“
Bella“, sie schaute mich an, als wäre ich ein kleines Kind, das eine Dummheit getan hatte, „Edward Cullen ist unvorhersehbar. Bei ihm darfst du nicht denken“.

Ich antwortete nicht, sondern drehte meinen Kopf in seine Richtung.

Jessica hatte recht.
Edwards Blick lag immer noch auf mir. Ganz ruhig und sanft schaute er mich an.



„Ich glaube aber, er kann mich nicht leiden“.
„Das wirst du wohl recht haben, sie können niemanden leiden.“
Ich nickte, das konnte ich mir schon denken.
„Obwohl“, Jessica lächelte mich verschmitzt an, „er guckt dich immer noch an, ungewöhnlich. Vielleicht redet er ja heute in Biologie mit dir“.

Mein Herz blieb stehen.
Biologie.
Das hatte ich total vergessen. Ich saß neben ihm.

Ich konnte nicht weg, nicht abhauen.
Angst.

Es klingelte und nach und nach verließen die Schüler die Cafeteria. In dem Gewühl verlor ich auch Edward, sodass ich seufzend aufstand um der Horrorstunde anzutreten.

Mein Atem wurde wieder ruhiger, als ich am Bioraum ankam und der Platz noch leer war. Ich setzte mich und legte meine Tasche ab.
Mr Banner war schon im Raum und verteilte Mikroskope und Präparate.
Ich kritzelte auf meinem Blog wirres Zeug herum.

„Das ist gut“, ich erschrak von dem plötzlichen Kommentar, dass hatte wohl auch der Verfasser gemerkt. „Nein ehrlich“.

Ich blickte Edward ängstlich an und saß starr wie ein Brett auf meinem Platz.
„Zeichnest du gerne?“, ich nickte und ließ meine Skizze in meiner Tasche verschwinden.

„Hallo“, er reichte mir seine kräftige Hand. „Ich bin Edward Cullen, wir sind letzte Woche leider nicht zu einer Unterhaltung gekommen“, immer noch lächelte er und ich ließ ängstlich meine schwache, kleine zierliche Hand in seine starke fallen.

„Du musst Bella Swan sein“

Wieder nickte ich, bemerkte gar nicht, dass er auf Anhieb wusste mich Bella und nicht Isabella zu nennen, sondern verkrampfte nur noch mehr in meiner Position. Die Angst steckte mir bis zum Hals.

Irgendetwas sagte mir, jetzt wegzurennen und nicht weiter auf Edward Cullen einzugehen.

Komisch, wo ich es mir doch sonst so gewünscht hatte. Jetzt lief ich davon weg.

Mit zitternden Händen meldete ich mich. „Mr Banner?“, rief ich und ignorierte die ungewollte Aufmerksamkeit meiner Mitschüler.
„Isabella?“
„Mir ist schwindelig, könnte ich vielleicht eine Weile…“
„Ja klar. Edward, begleite du sie bitte“, ich riss meine Augen auf und blickte Edward an, der nur lächelnd nickte.
„Natürlich Mr Banner, ich werde sie nicht aus den Augen lassen“.

Die Worte von Edward, die Mr Banner so beruhigten, wirkten auf mich eher erdrückend und wie eine Drohung.

„Kannst du stehen?“, fragte er mich.
Ich nickte.


„Ist dir schlecht? Musst du dich übergeben?“
Ich schüttelte den Kopf.

„Also Bella“, er lachte, auf eine Art und Weise, dass wenn meine Angst nicht da gewesen wäre, ich ihm jetzt vor die Füße gefallen wäre. „Wenn du immer so wenig sprichst, dann wird das aber ein ruhiges Schuljahr“.

Ich schluckte und guckte ihn mit großen Augen an, was ihn schon wieder zum Lächeln brachte.
„Ich bringe dich mal an die frische Luft“
Wieder nickte ich.


Luft war jetzt gut.



Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen, mir fiel es doch schwerer zu gehen, als ich es gedacht hatte. Die Übelkeit steckte in mir.
„Bella, du kippst gleich um“.
Ich schüttelte den Kopf, doch das war von Edward keine Frage sondern Feststellung.

Ohne dass ich hätte reagieren können, was in meiner Situation sowieso unmöglich gewesen wäre, packte er mich und nahm mich auf den Arm.

Ich war so gelähmt, dass ich nicht mal da protestieren konnte. Eher fühlte ich mich noch schlechter als vorher auch wenn ich den Geruch von Edward genoss. Mein Kreislauf wurde immer unstabiler. Alles drehte sich.

„Bella?“

Bella?

Ich atmete tief durch, da ich das Gefühl hatte, meine Lunge schnürte sich zu.
Mein Kopf tat weg, meine Hände und Füße kribbelten und mein Hals wurde enger und enger.

„Isabella?“, wieder hörte ich die ruhige, musikalische Stimme Edwards doch ich schaffte es nicht zu antworten.
„Mist“.

Das letzte was ich hörte war das starten eines Motors.

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„Ich glaube sie kommt zu sich“
„Ja, schnell geh raus. Nicht das sie gleich noch mal wegkippt, wenn sie dich sieht“.

„Holst du mich dann?“
„Ja“.



Ich blinzelte.
Das Licht war greller denn je.


„Miss Swan?“ als ich die Stimme hörte, zwang ich mich meine Augen ganz zu öffnen.


„Wer sind Sie?“, fragte ich verwirrt und versuchte mich aufzurichten.
„Ich bin Dr. Cullen, Sie sind im Krankenhaus.“.
„Was?“, geschockt setzte ich mich auf und blickte den Arzt an.
„Ganz ruhig. Sie hatten einen kleinen Schwächeanfall. Aber nichts Schlimmes.“
„Schwäche…“
„Ja, Schwächeanfall. Mein Sohn hat sie hierher gebracht. Er meinte, sie sind in Biologie einfach zusammengebrochen. Nehmen Sie Medikamente? Oder haben sie im Unterricht irgendwas durchgenommen, was sie nicht sehen können? Blutproben?“. Dr Cullen guckte auf sein Brett und dann wieder zu mir.
„Nein…Nein nicht das ich wüsste. Mir war plötzlich schlecht und ich wollte nach draußen“.
„Ah“, Dr. Cullen zog eine Augenbraue hoch, schrieb etwas auf das Brett und ging dann. „Hier ist noch Jemand, der die ganze Zeit gewartet hat, dass sie aufwachen“.

„Wie lange habe ich denn geschlafen?“, fragte ich und suchte erfolglos nach einer Uhr.
„Naja, eigentlich nur Zwanzig Minuten“.
Ich schreckte auf, als ich die Stimme erkannte.
„Edward, was machst du hier?“.

„Wow“, er lachte und setzte sich an mein Bettende. „Du kannst ja reden“, verlegen lief ich rot an.
„Ich habe dich ins Krankenhaus gefahren, weißt du nicht mehr?“, er lächelte.
„Das war echt unnötig, aber danke“, meinte ich und lehnte mich an mein Kopfkissen.
„Unnötig? Du warst Kreidebleich, ich dachte, du stirbst mir in den Armen weg“.
Diesmal lachte er nicht, sondern war völlig ernst. Er legte seine Stirn in Falten, als ob er gründlich über seine Worte nachdenken würde.

Wir Schwiegen.
Aber ich empfand es nicht als das angenehme Schweigen zwischen Charlie und mir, sondern unangenehm.
Ich starrte aus dem Fenster.

„Du bist unglücklich“, stellte Edward fest.
Empört drehte ich mich in seine Richtung.
„Wie kommst du darauf? Das stimmt gar nicht“, meinte ich, doch er lehnte sich nur gemütlich zurück und nickte mit dem Kopf.
„Doch bist du. Ich weiß zwar nicht warum“, er stockte kurz, als würde es etwas besonderes sein, meine Gedanken nicht zu kennen, und erzählte dann weiter, „Aber du bist unglücklich. Wieso tust du dir das an?“.

Ich verstand erst nicht was er meinte.
„Wieso lässt du dir das gefallen? Dass du dich nach Forks abschieben lässt.“.

Ich schüttelte den Kopf.
„Ich habe mich nicht abschieben lassen“. Er schien verwirrt.
„Ach, das wirst du nicht verstehen“.

„Ich werde dir folgen können“
„Nein, wirst du nicht“.
„Versuchs doch“.
Ich zögerte einen Moment, schloss kurz meine Augen und begann.
„Ich habe mich nicht abschieben lassen, ich habe selbst beschlossen, hierhin zu ziehen.“
„Okay, du hast Recht. Ich kann dir nicht folgen. Wieso willst du hier leben, Forks ist kein Ort für Teenager. Man lebt nur einmal“, seine letzte Aussage ließ ihn und mich nachdenken.

„Ja, man lebt nur einmal. Meine Mutter hat neu geheiratet.“
„Und du kommst mit ihrem neuen Mann nicht klar?“
„Nein, ganz im Gegenteil. Phil ist nett. Aber meine Mutter unglücklich“.

„Bella, du hattest Recht. Jetzt bin ich vollkommen verwirrt“.
Das erste Mal in seiner Gegenwart musste ich lachen.
„Phil ist Baseballprofi. Er ist viel auf Reisen und meine Mum muss wegen mir zuhause sitzen. Dabei finde ich sollte sie Spaß haben, ihr Leben genießen und mit ihm mitreisen“.

„Ah“, er blickte mich gespannt an, als ob ihn meine Geschichte wirklich interessierte.
„Also habe ich gesagt, dass ich zu meinem Vater ziehen möchte. Jetzt hat sie freie Bahn“.

„Das ist zuvorkommen und großzügig von dir Bella“, meinte Edward, jedoch schien er nicht überzeugt. „Aber dein Glück bleibt dabei auf der Strecke, findest du nicht?“
„Was spielt das für eine Rolle?“, fragte ich ihn leise und ich merkte, wie Tränen in meine Augen schossen.

„Eine Große“, meinte Edward und beugte sich näher zu mir. Ich hielt die Luft an. Wieder kroch Angst in mich.
„Das ist es doch, was Menschen wollen. Glück“.

Ich nickte und die Tränen flossen meine Wangen runter.
„Aber manchmal muss man sich im Leben entscheiden“, flüsterte ich und schluckte. „Manchmal muss man für den anderen entscheiden, was gut für ihn ist und das eigene Glück aufgeben um es dem anderen zu schenken“.

Edward nickte.
„Es wurmt mich, nicht zu wissen was du denkst“. Er blickte mich misstrauisch an.
„Was denkst du gerade?“, er rückte noch näher an mich ran, aber anstatt Vertrauen spürte ich Angst.

„Ich weiß nicht. Wieso solltest du meine Gedanken kennen?“
„Ich kenne mich mit Menschen gut aus. Menschen sind“, er überlegte, „vorhersehbar. So kann ich gut ihre Gedanken nachvollziehen“.
Ich musste an Jessicas Worte denken, dass Edward Cullen unvorhersehbar war.

„Aber meine kannst du nicht lesen? Meine Mutter sagt immer, ich bin ihr offenes Buch“, ich lachte.
„Ich finde, ganz im Gegenteil. Du bist schwer zu durchschauen“, er lächelte und offenbarte eine Reihe perfekte, weiße Zähne.

Perfekt, wie alles an seinem Körper.

„Komm, ich bringe dich nachhause.“, meinte er und half mir aus dem Bett.
Nachdem Dr. Cullen mir versichert hatte, dass es nichts Schlimmes war, was mir passiert war, sondern wahrscheinlich nur Vitaminmangel, brachte mich Edward nachhause. In dem Volvo.

„So, hier ist es, nicht wahr?“, lächelte er und ich nickte, als ich mein Haus wiedererkannte.
„Ich hole dich dann morgen ab“, meinte er, als ich gerade das Auto verlassen wollte.
Ich drehte mich wieder zu ihm.
„Wovon?“
„Na zuhause, oder hattest du vor, zu Fuß zur Schule zu gehen?“, er lächelte ein schiefes Lächeln. „Dein Transporter steht noch auf dem Parkplatz an der Schule“.

Ich stöhnte laut auf.
„Ach so. Ach Quatsch, Charlie kann mich schon irgendwie bringen“.
Doch Edward schüttelte nur den Kopf.
„Halb Neun“.

Damit verschwand er im Volvo.

1.9.08 15:03
 

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