Kapitel 6


Für immer Siebzehn (Theory)


„Bella, es ist das Beste. Ich bringe dich jetzt ins Krankenzimmer“, ich merkte wie mich seine Stimme beruhigte, was ich überhaupt nicht wollte.
„Lass…runter“, ich schluckte. Mein Hals fühlte sich trocken an.

„Oh mein Gott. Edward, mach was. Sie ist so blass“, hörte ich Mike wispern.
Ich wollte sagen, dass es mir gut geht. Aber meine Stimme verblieb. Ich merkte nur, wie Edward sich mit mir auf dem Arm in Bewegung setzte.


„Was ist passiert?“, fragte die aufgeregte Krankenschwester. Ich konnte ihren Gesichtsausdruck nur erahnen. „Leg sie erstmal ab Edward“. Ich merkte, wie ich wieder festen Grund unter mir hatte.
„Bella“, ich merkte seinen kalten Atem neben mir und schlug meine Augen auf.

„Mir geht es gut Edward“, ich drehte meinen Kopf zur Seite und blickte direkt in seine Augen. Er war mir sehr nah.


Er hatte sich hingehockt und seinen Kopf auf der Liege gebettet. In seinem Blick lag etwas besorgtes, doch als sich ein sanftes Lächeln auf seinen Lippen bildete, vergas ich alles um mich herum.

„Bleib noch einen Moment liegen Bella“, flüsterte er ganz leise, sodass nur ich es hören konnte, „Nur einen Moment“, echote er und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Ich hörte auf zu atmen und schloss meine Augen.

„Mike, musst du nicht zurück in den Unterricht?“, fragte die Krankenschwester.

„Nein, ich soll auf Bella aufpassen“
„Ich mach das schon Mike“, ich merkte wie Edward sich zu ihm umdrehte, aber nicht von meiner Seite wich.
„Aber ich soll-“
„Mike, du verpasst den Unterricht“.

Danach hörte ich Mike nicht mehr.
Mühsam öffnete ich meine Augen wieder. Eine besorgte Krankenschwester und ein ebenso besorgter Edward guckten mich an.
„Mir geht es echt schon viel besser“, meinte ich lächelnd und setzte mich auf. „Mhhm“, machte er nur und drückte mich wieder runter.
„Trotzdem ist es besser, wenn du erstmal liegen bleibst“.

Die Krankenschwester verließ den Raum.

„Du kannst also kein Blut sehen“, lachte Edward und setzte sich an mein Fußende. Ich schloss die Augen. Auf diesen neckischen Blick hatte ich nun wirklich keine Lust.
„Oh Bella“, ein himmlisches Lachen folgte.
„Das ist nicht lustig Edward“, meinte ich bissig und öffnete die Augen wieder, „außerdem kann ich es auch nicht riechen“.

Er zog die Augenbrauen zusammen. „Du riechst Blut?“
„Ja“
„Das geht gar nicht“.

Ich grinste. „Achja? Das willst du wissen?“
„Ziemlich genau“, er verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Wie riecht denn deiner Meinung nach Blut?“
„Rostig“, meinte ich und kräuselte meine Nase.
„Rostig?“, fragte Edward perplex und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Ja, Blut riecht rostig“.

Danach schwiegen wir. Edward war der Meinung, ich müsste mich ‚von dem Schock’ erholen.

„Soll ich dich gleich nachhause fahren?“, fragte er nach einiger Zeit.
Ich nickte, „Das wäre nett. Aber ich habe noch Sport“, frustriert zog ich die Unterlippe vor. Edward lachte.
„Lass das mal meine Sorge sein. Warte einfach an meinem Auto“, er zwinkerte mir zu.

Unsicher stand ich auf. „Bau keinen Mist“.
Er guckte mich gespielt erschrocken an. „Bella, ich und Mist bauen. Das ist eine Beleidigung“, er lächelte und reichte mir seine Hand. Ich fasste sie und ging aus dem Gebäude.

Die kühle Luft half ungemein und ich fühlte mich sofort besser. Edward war zum Lehrerzimmer gegangen, ich suchte den Volvo.
Von weitem sah ich meine Klasse zur Sporthalle gehen. Mike, Eric, Angela…

„So, da bin ich.“, begrüßte mich Edward und schloss das Auto auf. „Darf ich bitten?“, freundlich lächelnd hielt er mir die Tür auf.
Ich setzte mich und lehnte mich entspannt an die Lehne.
„Du solltest schlafen wenn wir zuhause sind. Du siehst müde aus“.
„Wir?“, fragte ich verwirrt und blickte ihn an.
„Natürlich wir. Oder hattest du gedacht ich lasse dich in so einem Zustand alleine?“, ein Grinsen umspielte seine Lippen.
„Das ist wirklich nicht nötig. Mir geht es gut“
„Aber ich habe versprochen auf dich aufzupassen“
„Edward-“
„Keine Widerrede“.

Als wir an meinem Haus ankamen stieg Edward als erstes aus. Gerade als er mich wieder auf den Arm nehmen wollte, machte ich eine Bewegung nach hinten.
„Ich kann selbst gehen“, meinte ich bestimmend und wankte zur Haustür.
„Natürlich“, schüttelte Edward den Kopf und wartete, dass ich aufschloss.

Gerade hatte ich mir versucht vorzustellen, wie Edward wohl in meinem Zimmer aussah. Die altmodische Einrichtung, die vergilbten Gardinen und dann er, der junge Gott, da saß er schon grinsend auf dem Sessel und blickte sich um.
„Hast du das Fenster immer offen, wenn du nicht zuhause bist?“, fragte er verwundert, „Das ist aber nicht sehr sicher“. Er legte seine Stirn in Falten, als er die Unordnung sah.
„Tut mir Leid, ich weiß auch nicht, was hier los ist“.

„Du solltest aufräumen, das ist alles“, lachte er.
„Nein“, meinte ich unsicher, „Das war ich nicht. Und ich schließe mein Fenster immer“.
„Bella“, Edward schaute mich an.

Er hielt mich für durchgeknallt.

„Wer sonst sollte das denn gewesen sein?“, er zog eine Augenbraue hoch.
„Ich weiß es nicht. Ich wache morgens auf, dann ist mein Zimmer durchwühlt und mein Fenster offen“.

Edwards Gesichtsausdruck wurde von belustigt zu tot ernst.
„Du warst es echt nicht“, das war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Er rümpfte die Nase, als ob er versuchte, zu erriechen, wer in meinem Zimmer war.

„Wie lange geht das schon so Bella?“, fragte er unsicher und kam mir näher.
„Erst seit dem Wochenende“, gab ich zu und verstaute einige Sachen wieder in den Schränken.
„Fehlt dir irgendetwas an Wertsachen?“, fragte er. Ich schüttelte den Kopf.

„Was könnte derjenige denn gesucht haben?“, Edward schaute sich in meinem Zimmer um.

„Ich weiß nicht, ich besitze nichts derart Wertvolles, dass man dafür einbrechen müsste. Außerdem wohne ich im ersten Stock, es ist fast unmöglich für einen Menschen hier reinzukommen“.
„Für einen Menschen“, echote Edward.

Ich war mir nicht sicher, was er damit meinte.

„Was denkst du, war hier?“, fragte ich.
„Ich weiß es nicht“, meinte er nachdenklich. „Hast du in den letzten Nächten irgendetwas Komisches beobachtet?“.

Ich dachte an die goldenen Augen, welche mir vor ein paar Nächten begegnet waren.
„Nein“, log ich du schluckte schwer. „Nein nichts Komisches“.
„Mhhm“, Edward stand auf.

Ich blickte ihm nach und setzte mich auf meine Bettkante.

„Wir müssen herausfinden, was es sucht. Dann wird das Ganze um einiges leichter“.


Ich nickte. Irgendwie vertraute ich Edward. Er ging vernünftig an die Sache ran, ohne Charlie davon zu erzählen.
„Bella, versprich mir das du nachts nicht mehr rausgehst.“, er guckte mich flehend an.

„Das ist immer noch meine Sache“, meinte ich, „darüber hast du nicht zu bestimmen“.
„Aber es macht mich fertig“, er kniete sich vor mich und legte seine kalte Hand auf meine Wange, „ich kann nicht klar denken, wenn ich weiß, dass du in Gefahr bist“. Ich hörte auf zu atmen. Meine Augen schlossen sich und ich roch Edward dicht vor mir. „Also bitte ich dich Bella, geh nicht raus, das ist gefährlich“, ich begann wieder nach Luft zu schnappen und nickte.

Meine Wange wurde wieder wärmer, er hatte losgelassen.

„Du hast übrigens noch ein Versprechen einzulösen“, sah ich ihn vor mir Lächeln.
Nein.
„Oder hast du es dir anders überlegt? Dann wäre ich sehr enttäuscht“.

„Das ist peinlich, Edward“.
„Erzähl doch einfach deine Theorie, ich erzähle dir dann, ob sie stimmt“.

Ich schluckte.

„Ich habe mich mit Angela unterhalten“, zögernd spielte ich mit einer meiner Haarsträhne.
„Ja?“, fragte Edward interessiert.
„Sie hat mir eine Geschichte erzählt“
„Schön“
„Es ging um Vampire“.

Er schwieg eine Zeit.
„Oh“, machte er dann und schaute aus dem Fenster. „Zu welchem Entschluss bist du gekommen?“
„Ich habe darüber nachgedacht. Angela meinte, deine Familie…“, ich hörte auf zu reden.
„Sie meinte wir sind Vampire?“
Ich überlegte. „Ja“.

„Und“, er guckte mich an, „wie denkst du darüber?“.

„Es ist mir…“, ich wollte weiterreden, doch die Kette mit dem Medaillon um meines Hals fühlte sich plötzlich so eng an. Ich fasste an die Halskette und hustete.
„Es ist dir…?“, fragte Edward gespannt.
„Es ist mir…“, wieder fühlte es sich an, als würde sich die Kette zuschnüren.
„Egal“, hustete ich.

„Es ist dir egal, was ich bin?“.
Ich guckte ihn mit großen Augen an.
„Es ist wahr?“.

„Ist doch egal, es ist dir ja auch egal“, meinte er wütend.
„Du bist ein… ein“, ich konnte es nicht aussprechen. „Das ist so absurd“, flüsterte ich leise.
„Also ist es dir doch nicht egal?“
„Ich habe nicht daran geglaubt, natürlich.“
„Dir wäre egal gewesen, wenn ich ein Monster bin?“
„Kein Monster. Edward“, ich lächelte sanft.
„Das ist absurd“, zitierte er mich und zog verblüfft eine Augenbraue hoch.
„Ich denke, ich muss viel wissen, um dich zu verstehen“, meinte ich.
„Was willst du wissen?“, er blickte mich an.

Ich schmunzelte leicht, auch wenn mir nicht klar war warum.

„Wie alt bist du?“.
Er lächelte leicht, ich war mich sicher, ich hatte ihn.
„Siebzehn“, meinte er ernst.
Ich schüttelte lachend den Kopf und kam ihm näher.
„Und wie lange bist du schon Siebzehn?“

Er nahm eine Locke von mir und drehte sie in seinen Händen, er beantwortete meine Frage so beiläufig wie möglich, „Eine Weile“.

Ich freute mich, dass er anscheinend offen auf meine Fragen einging.

„In wie weit hast du dich unter Kontrolle?“.
Er blickte mich verwundert an.
„Unter Kontrolle?“
„Ja, was deine Ernährung angeht“.

„Ah“, er roch an meiner Locke, welche er immer noch in der Hand hielt.
„Du riechst gut“, meinte er, „es fällt mir sehr schwer“.

Ich drehte meinen Kopf so, dass ich ihm in die Augen gucken konnte. Er lag auf meinem Bett über mir und stützte sich mit den Ellebogen ab.
„Wie weit hast du dich unter Kontrolle?“
Er grinste leicht.
„Das wüsste ich auch gern“, hauchte er und kam meinen Lippen immer näher. Ich schluckte. Blickte abwechselnd in Edwards Augen und auf seine Lippen. Sein Duft war mir so nah wie noch nie.

Ich merkte, wie etwas kaltes, wunderschönes meine Lippen traf.

Gleichzeitig durchzuckte mich ein Schmerz am Hals. Meine Kette schnürte sich genau wie eben. Wahrscheinlich hatte der der Anhänger verschoben und engte nun die Kette ein.

Ich hustete.

Edward wich zurück.
„Nein, nicht“, meinte ich leise und fasste ihn am Nacken an.
Je näher er mir kam, desto enger wurde meine Kette.

Schließlich soweit, dass Edward vom Bett aufsprang und mich besorgt anblickte.
„Was ist los?“
„Meine…Kette“, brachte ich unter dem Hustenreiz hervor.
1.9.08 18:25
 

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